1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Viersen

Frischling mit Metallpfeil angeschossen: Gefährliche Bedrohung im Wald

Wilderer im Brüggener Wald? : Pfeilspitze verletzt Frischling schwer

Abgeschossen wurde der Pfeil mit Armbrust oder Bogen. Kreis warnt Spaziergänger.

Ist ein Wilderer im Brachter Wald mit Pfeil und Bogen oder der Armbrust unterwegs? Oder streift dort jemand umher, der Freude daran hat, Tiere tödlich zu verletzen? Diese Fragen stellen sich die Jäger vom Revier Bracht II, die Untere Jagdbehörde des Kreises Viersen, die Försterin und die Polizei. Denn die Teilnehmer einer Drückjagd in dieser Woche fanden einen Frischling, in dessen rechtem Hinterlauf eine Metallpfeilspitze steckte – eine gewaltige Spitze, die Tiere und Menschen töten kann.

Eigentlich sollte es eine ganz normale Drückjagd werden, bei der die Treiber das Schwarzwild langsam in Bewegung bringen und es in Richtung der Jäger treiben. Die Jagd auf die Wildschweine ist notwendig, um die Population zu begrenzen. „Der Hund der begleitenden Försterin sonderte sich auf einmal hinter uns ab. Es erfolgte ein Rückruf, als wir auch schon ein Quieken hörten“, berichtet Jagdaufseher Antonius Kiwall, der als erster den Hund erreichte. „Der Anblick war nicht schön.“ Es handelte sich um einen Frischling, der vor Angst schrie. Er konnte nicht flüchten, da sich in seinen Hinterlauf eine Metallpfeilspitze gebohrt hatte und dieser entzündet war. Kiwall erlöste das schwer verletzte Jungtier. „Wenn der Hund den Frischling nicht gewittert hätte, wäre das Tier in den nächsten Tagen elendig gestorben“, sagt er. Es habe sich nur noch langsam auf drei Beinen fortschleppen können.

Als er die Pfeilspitze unter einiger Anstrengung löste, sah der Jagdaufseher, dass der Pfeil halb durch den Knochen gegangen war. Dies spreche für eine enorme Kraft, mit der der Pfeil abgeschossen wurde. Ob es sich dabei um einen Bogen oder sogar um eine Armbrust handele, sei derzeit noch nicht zu rekonstruieren. Monika Buschmann, Mitarbeiterin der Unteren Jagdbehörde des Kreises Viersen, tippt auf eine Armbrust oder einen Langbogen. Aufschluss könnte der von der Pfeilspitze abgebrochene Schaft geben, der bisher unauffindbar war. Wobei Antonius Kiwall eine Vermutung hat, wo auf den Frischling geschossen worden sein könnte: „Wir werden das Gebiet nach dem Schaft absuchen.“

Die Försterin sowie Monika Buschmann waren ebenfalls bei der Jagd. Sie sind ebenso schockiert wie die anderen Teilnehmer. Wer lauert im Brachter Wald und in der Umgebung und könnte vielleicht sogar einen Menschen anschießen oder schwer verletzen? Bei der Polizei wurde eine Anzeige erstattet. Monika Buschmann weist darauf hin, dass nicht nur der Verdacht der Wilderei besteht und dass der Tierschutz gefährdet ist. „Durch derartige Schussabgaben können auch das Leben und die Gesundheit von Menschen gefährdet sein“, sagt Buschmann. Pilzsammler oder Spaziergänger sollten in Waldgebieten achtsam sein und verdächtige Beobachtungen beim Kreis Viersen melden.

Es ist nicht der erste Fall, wo Wilderei oder Lust an Tierquälerei als Motive vermutet werden. Im August 2019 wurden auf Brüggener Gebiet mit kleinkalibriger Munition zwei Ricken angeschossen. Im ersten Fall fanden Wanderer das schwer verletzte Tier an einem Waldweg, das ein Jäger später erlöste. Im zweiten Fall entdeckte ein Jagdpächter ein bereits verendetes Reh. Beide Tiere müssen Kitze bei sich gehabt haben. Gefunden wurden sie trotz intensiver Suche nicht, sie verhungerten vermutlich an ihren Liegeplätzen. Die vergebliche Suche nach dem Nachwuchs hatte eine Welle der Anteilnahme im Kreis Viersen ausgelöst.

Eine Verletzung oder Tötung eines Tieres durch eine Pfeilspitze ist bislang bei der Polizei im Kreis Viersen nicht angezeigt worden. „Es handelt sich hier nicht nur um Wilderei, sondern es liegt auch ein Verstoß im Rahmen des Tierschutzgesetzes vor“, erklärte eine Sprecherin der Kreispolizei Viersen. In einem benachbarten Revier sei einem Jäger ein Mensch in einem Tarnanzug aufgefallen, der sich beim Annähern des Jägers im Auto schnell entfernt habe und im Wald verschwunden sei. Ob ein Zusammenhang zwischen dieser Person und dem Frischlings besteht, ist derzeit noch unklar.

Wer in einem Waldgebiet im Kreis Viersen ungewöhnliche Beobachtungen macht, kann sich beim Kreis Viersen an Monika Buschmann unter der Rufnummer 02162/391414 wenden.