Demo in Viersen : Schüler demonstrieren auch in den Ferien

„Fridays for Future“: Rund 100 Teilnehmer kamen am Freitag zur Kundgebung, darunter auch Erwachsene.

Rund 100 Teilnehmer, sowohl Jugendliche als auch Erwachsene, haben sich am Freitagnachmittag am Gereonsplatz in Viersen zu einer „Fridays for Future“-Demonstration eingefunden. Die Demonstranten zogen rund 30 Minuten lang durch die Innenstadt. Dabei bemalten die Teilnehmer den Rathausplatz bunt mit Kreide und hielten eine Podiumsdiskussion am Rathausmarkt ab. Schüler hielten Plakate mit Aufschriften wie „Klimaschutz statt Klimaschmutz“ oder „There is no planet B“ in die Luft.

Der Hauptorganisator Samuel Nellessen ist erfreut darüber, dass trotz der Osterferien zahlreiche Schüler für den Klimaschutz protestieren. Der Plan war vorab besonders durch soziale Netzwerke weit verbreitet worden. „Dass wir trotz der Ferien einige Schüler ermutigen konnten, zeigt, dass es sich bei unseren Demonstrationen nicht nur ums Schule schwänzen dreht. Es ist eine erfreuliche Entwicklung für das sonst teilweise sehr schläfrige Viersen, dass sich so viele Schüler für den Klimawandel engagieren“, sagt Nellessen.

Sie wollen zeigen, dass die Jugend sich für die eigene Zukunft einsetzt. Jedoch sieht Nellessen teilweise noch ein Desinteresse bei den Schülern, an ihrem Verhalten wirklich etwas zu ändern. An diesem Desinteresse will er mit seiner „Fridays for Future“-Demonstration ansetzen. Unter anderem durch geplante Workshops möchten die Veranstalter für ein tiefer gehendes Bewusstsein bei den Schülern sorgen.

Die nächste Demonstration
ist für den 24. Mai geplant

Lokalpolitiker hätten sich bisher noch nicht zu den Demonstrationen geäußert, sagt Nellessen: „Deshalb können wir den Kopf aber nicht in den Sand stecken. In Zukunft planen wir, auch lokal- und kommunalpolitisch den Umweltschutz in den Vordergrund zu rücken.“

Das Stimmungsbild der Lehrer und Schulleiter sei weitestgehend positiv. Nellessen ist froh über ihre Unterstützung. Es sei jedoch trotzdem besser, dass das Fehlen im Unterricht nicht entschuldigt wird, da dies sonst den Zweck verfehlen würde. „Die Demonstrationen müssen weiterhin für eine Kontroverse sorgen, damit wir wirklich etwas bewegen. Wenn jeder die Demonstrationen einfach so erlaubt, würden die Demonstrationen keinen mehr interessieren“, sagt Nellessen.

Die erste Demonstration im März war mit knapp 250 Teilnehmern bisher die größte in Viersen. Student Otto Cerny ist der Meinung, dass die Veränderung im Kleinen, das heißt vor allem kommunalpolitisch anfangen muss. „Ich selbst esse weniger Fleisch und möchte wenn möglich versuchen, weniger zu fliegen. Mallorca-Urlaube und der Döner von der Ecke sind da nicht mehr drin“, sagt Cerny. Jana Gawron hat selbst vier Kinder und Enkelkinder. „Ich habe das Vertrauen in die Politik verloren. Politiker sollten mehr an die Zukunft unserer Kinder denken“, sagt sie. Dieser Meinung schließt sich Abiturientin Laura Hoffhaus an. „Ich verlange, dass wir nicht durch Politiker wie Christian Lindner belächelt werden und angemessenes Gehör erfahren.“

Nellessen und sein Team planen nun jeden Monat eine Demonstration in Viersen, die nächste voraussichtlich für den 24. Mai.

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