"Ende Gelände" in Viersen: Das Wochenende im Protestcamp

Protestcamp in Viersen : Lage im Camp bleibt friedlich

Während Hunderte Aktivisten am Samstag auf das Tagebaugelände vorgedrungen sind, blieb es im Viersener Camp ruhig.

Julia (28), Aina (22) und Christina (25) wissen, was gegen die Hitze hilft und dazu Spaß macht: Wasserrutschen. Provisorisch haben die Frauen aus Österreich, Spanien und Großbritannien eine Zeltplane auf das Gras gelegt und mit Wasser befeuchtet. Sie nehmen Anlauf und rutschen, rudern mit den Armen und versuchen, nicht hinzufallen. Im Camp um sie herum ist die Stimmung ähnlich ausgelassen.

Für die Klima-Aktivisten des Bündnisses „Ende Gelände“ ist das Wochenende erfolgreich verlaufen. Hunderte sind am Samstag auf das Tagebaugelände Garzweiler vorgedrungen, andere haben Gleise blockiert. „Ein großartiger Erfolg“, sagt Benno Hansen. Der Berliner (25) gehört zum Presseteam und ist auf dem Festivalgelände am Hohen Busch in Viersen zu treffen, wo „Ende Gelände“ ihr Protestcamp aufschlagen durfte.

Julia (28) aus Österreich kühlte sich auf einer improvisierten Wasserrutsche im Viersener Camp ab. Foto: emy

„Kompetenzmissbrauch der Polizei“, sagt Sprecher Hansen

Benno Hansen (25) und Lara (28) sind aus Berlin ins Protestcamp in Viersen gekommen. Foto: emy

Dass die Polizei am Freitag über Stunden den Viersener Bahnhof gesperrt hatte, beschäftigt die Aktivisten. „Uns ist so etwas noch nie passiert“, sagt Hansen, „dass wir mit der Polizei darüber verhandeln mussten, unsere angemeldete Route nehmen zu dürfen. Das war ein kompletter Kompetenzmissbrauch der Polizei.“ Einige der Aktiven seien nach Mönchengladbach gelaufen und von dort mit der Bahn gefahren oder hätten einen der Plätze in den Sonderbussen bekommen. „Die Wege haben länger gedauert, aber das hält uns nicht auf“, sagt Hansen. Wie viele Aktivisten sich insgesamt im Camp aufgehalten haben, konnte er nicht sagen.

In Viersen sei das Wochenende ruhig verlaufen, sagt eine Sprecherin der zuständigen Polizei Aachen: „Es gab keine Auffälligkeiten im Camp.“ Am Samstag sperrte die Polizei den Bahnhof erneut für durchfahrende Züge; für die zwei Sonderzüge, in denen jeweils 300 und 400 Aktivisten mitfuhren, habe es einen „kontrollierten Zulauf“ gegeben. Dabei wurden vereinzelt Rucksäcke durchsucht, berichtet die Sprecherin: „Die Stimmung war relativ neutral.“

Die Veranstalter sind mit dem Ort für ihr Protestcamp zufrieden. „Es ist eine unglaublich schöne Grünfläche mit viel Platz, auf der wir gut unsere Infrastruktur mit Küchen und Toiletten aufbauen konnten“, sagt Hansen. Im Vorfeld hätten sie Flyer in Briefkästen geworfen, um sich bei den Anwohnern anzukündigen, ihren Müll wollen sie auf jeden Fall wieder mitnehmen, betont Hansen: „Wir hoffen, dass wir den Viersenern gute Gäste waren.“

Für Lara (28) war das Camp eine bereichernde Erfahrung. „Wir haben ausprobiert, wie eine andere Form des Zusammenlebens aussehen könnte, hierarchielos und basisdemokratisch.“ Das einzige Manko, sagt sie augenzwinkernd: „Manchmal ist die Schlange für den Kaffee sehr lang, und heute morgen war der Haferbrei alle.“

Die ersten machten sich am Sonntag wieder auf den Weg nach Hause.

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