Kreis Viersen : So e-mobil ist der Viersener Westkreis

Wie viele E-Autos sind angemeldet? Wie viele Ladesäulen sind geplant? Was tun die Gemeinden?

Wie hoch ist der Anteil an
E-Autos im Kreis Viersen aktuell?

Zum Stichtag 1. Januar 2019 waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes insgesamt 186 490 Pkw im Kreis Viersen angemeldet – 226 davon reine E-Autos. Der Anteil liegt demnach bei 0,12 Prozent. Nicht eingerechnet sind die 887 Hybridfahrzeuge. Zählt man sie dazu, kommt man auf einen Anteil von 0,6 Prozent.

Was tun die Kommunen im Westkreis für E-Mobilität?

Immer mehr Städte und Gemeinden investieren in E-Autos, um Schadstoffe zu verringern. Die Gemeinde Schwalmtal hat eben ihr erstes E-Auto in Dienst genommen, einen Hyundai Ioniq Elektro. „Wir haben für die Anschaffung einen Zuschuss in Höhe von 40 Prozent vom Land genutzt“, sagt Schwalmtals Kämmerin Marietta Kaikos. Meist nutze Hausmeister Uwe ter Stein (60) den neuen Wagen. Aber das Auto sei für alle Mitarbeiter der Verwaltung nutzbar, jeder könne sich dafür eintragen. Laut Kaikos ist „das Interesse groß“.

In Brüggen fahren bereits einige Fahrzeuge mit Strom, erläutert Thomas Jäger, Vertreter des Bürgermeisters. Vor drei Jahren wurde ein Renault-Kleinwagen angeschafft, 2019 folgte ein zweiter. Neu ist ein knallorangefarbener E-Sooter, mit dem ein Mitarbeiter der Stadtreinigung in der Fußgängerzone im Brüggener Zentrum unterwegs ist.

In Niederkrüchen gab es laut Pressesprecher Hermann-Josef Bonus schon zwei Testphasen mit Elektro-Autos. „Wir prüfen zurzeit intensiv, wie wir weiter vorgehen“, sagt er.

In Nettetal fahren mehr als ein Jahr lang zwei E-Fahrzeuge. Kurz vor Weihnachten 2018 wurden am Baubetriebshof des NetteBetriebes zwei E-Fahrzeuge in Betrieb genommen. Das Land übernahm 40 Prozent der Anschaffungskosten. Die beiden Streetscooter mit Kipp-Pritschen und Werkzeugkasten werden bei Reinigungsarbeiten auf Spielplätzen und in den Außenbereichen eingesetzt. Die Energiekosten liegen etwa 60 Prozent unter denen herkömmlicher Fahrzeuge. Die Immissionsfreiheit wird sichergestellt, indem nur mit regenerativem Strom geladen wird.

Der Kreis will seinen Fuhrpark langfristig vollständig auf E- oder Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb umstellen. Im Fahrzeugpool gibt es bereits drei Plug-In-Hybridfahrzeuge für den Fahrzeugpool; auch Landrat Andreas Coenen (CDU) fährt einen solchen Wagen. Laut einem Sprecher seien die Erfahrungen positiv. Innerhalb der Verwaltung habe es ein Umdenken gegeben. Seitdem im Fahrzeugpool Plug-In-Hybrid-Wagen bereit stünden, gebe es weniger Dienstreisen mit privaten Autos. Auch für die meisten Dienstfahrten sei die Reichweite der Batterie mit 60 Kilometern ausreichend. Bei längeren Fahrten schalte sich der benzingetriebene Motor zu. Ein Plug-In-Hybrid Fahrzeug bietet im Vergleich zu reinen E-Fahrzeugen die Vorteile kürzerer Ladezeiten und größere Reichweite.

In Viersen fährt Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) rein elektrisch: einen Audi e-Tron Q5. Für ihn wurde in der Tiefgarage des Stadthauses eine Wallbox installiert.

Wie sieht das Ladesäulen-Netz
im westlichen Kreis Viersen aus?

Die Ausstattung ist unterschiedlich gut. In der Burggemeinde Brüggen etwa ist laut Bundesnetzagentur eine Ladesäule gemeldet. Insgesamt gibt es aber drei im Stadtgebiet, eine am Rathaus im Brüggener Zentrum und eine neue am Bischof-Dingelstad-Platz in Brüggen-Bracht. Laut Thomas Jäger seien für die nahe Zukunft noch vier weitere Ladesäulen geplant. Hauptanbieter in der Region ist der Energieversorger NEW. Er betreibt derzeit im Kreis Viersen nach eigenen Angaben 35 Ladestationen, darunter drei in Schwalmtal, vier in Niederkrüchten und 21 im Stadtgebiet Viersen. „Aktuell ist kein weiterer Aufbau von öffentlichen Ladesäulen durch die NEW geplant, da mit den aktuellen Ladestationen das Versorgungsgebiet flächendeckend abgedeckt ist“, teilt ein Sprecher des Unternehmens mit. In Nettetal gibt es drei öffentliche Ladestationen der Stadtwerke, zwei in Kaldenkirchen, eine in Lobberich. Am Obi-Parkplatz und an der Aral-Tankstelle in Kaldenkirchen sind Schnellladestationen installiert, an denen in weniger als 30 Minuten ein Ladestatus von rund 80 Prozent erreicht werden kann. Und für zu Hause bieten die Stadtwerke Nettetal eine Wallbox als Ladestation an, inklusive Montage und Inbetriebnahme.

Der Kreis Viersen hat sowohl für die Dienstfahrzeuge als auch für Fahrzeuge von Mitarbeitern insgesamt 16 Ladestationen in der Tiefgarage im Kreishaus. Für Besucher stehen zudem an zwei Standorten Ladesäulen für E- und Hybridfahrzeuge zur Verfügung. Die NEW hat die Säulen vor dem Kreishaus und dem Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath aufgestellt.

Wie viel teurer sind E-Fahrzeuge?

Mit Lebenszykluskostenrechnungen lassen sich Autos, unter Berücksichtigung aller relevanten Kosten, auf Wirtschaftlichkeit hin vergleichen. Das Umweltbundesamt stellt auf seiner Homepage in der Rubrik Berechnung der Lebenszykluskosten online einen solchen Rechner zur Verfügung. Mit diesem Tool wurden die Aufwendungen von einem Auto mit Verbrennungsmotor (aktuelle Abgasnorm), einem Plug-In-Hybrid Fahrzeug und einem reinen E-Fahrzeug verglichen. Zu den Lebenszykluskosten kommen Ausgaben für Steuer, Versicherung und Leasing hinzu.

www.umweltbundesamt.de

Der Kreis Viersen macht dabei folgende Rechnung auf: Ausgerichtet an den für die Zwecke der Kreisverwaltung benötigten Fahrzeugen und Einsätzen sind die Kosten für ein Plug-In-Hybrid-Fahrzeug circa 30 Prozent höher als die für einen Wagen mit einem Verbrennungsmotor. Die Kosten für ein reines E-Fahrzeug sind rund 120 Prozent höher als die für ein Auto mit Verbrennungsmotor. hb, busch-,mrö