1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Viersen

Der Viersen-Plan - wie sich die Stadt für die 20er-Jahre aufstellt

Stadtentwicklung in Viersen : Das ist der „Viersen-Plan“

Die Stadt will sich ein neues Leitbild geben, das als Kompass dafür dienen kann, wohin sich Viersen entwickelt. Die Einwohner sollen daran beteiligt werden.

„Zehn Jahre sind eine lange Zeitspanne“, sagt Norbert Dohmen. „In den vergangenen zehn Jahren hat die Digitalisierung einen enormen Schub erhalten, neue Soziale Medien haben die Kommunikation revolutioniert, und die Erkenntnis, dass unsere natürlichen Ressourcen nicht endlos sind, ist bis weit in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen.“ Dohmen ist Ratsherr der Grünen im Rat der Stadt Viersen - und dem Grünen-Antrag, dass die Stadt Viersen diese Entwicklungen in einem neuen Leitbild zusammenfasst, sind die Politiker einstimmig gefolgt.

Nun ist es nicht so, als hätte die Stadt Viersen kein Leitbild. „Viersens besondere Stärke ist die enge Verbindung von Urbanität und Natur“, heißt es darin zum „Markenkern“ der Stadt. Maja Roth-Schmidt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt über das vor gut zwölf Jahren entstandene Leitbild: „Dieser Kompass ist veraltet. Er kann uns den Weg in die Zukunft nicht mehr zeigen. Wir benötigen ein neues, nachhaltiges Leitbild, mit dem unsere Stadt in den 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts bestehen kann.“ Und das, so schrieben es die Grünen in ihrem Antrag, „die dringenden Fragen des Schutzes der Natur, der Umwelt und des Klimas nicht mehr als Randthemen abhandelt“.

Was genau ins neue Leitbild kommt, das sollen Entscheidungsträger aus Verwaltung und Politik erarbeiten. Wie dieses neue Leitbild entstehen soll, darüber informierte Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) jetzt im Stadtrat. Anders als beim alten Leitbild, sollen die Einwohner unmittelbar beteiligt werden. Einen Namen fürs Verfahren gibt’s auch schon: „Viersen-Plan“. „Einwohnerschaft sowie Entscheidungsträger sollen ins Gespräch kommen, Argumente austauschen und gemeinschaftlich zu einer Meinungsbildung gelangen, die als Basis für die Zielfindung dient“, sagt die Bürgermeisterin. Und wie soll das konkret funktionieren? Zum einen über eine Umfrage-Aktion, analog per Papierfragebogen oder digital. Die Ergebnisse werden in einer Datenbank gesammelt. Zum anderen ist auch eine kreativ-künstlerische Aktion geplant: An großen Pinwänden oder in überdimensionierte Setzkästen sollen Bürger ihre Anregungen in kreativer Form hinterlassen. „Das Foyer des Stadthauses, die Stadtteilbüros in Dülken und Süchteln sowie das Dorv-Zentrum in Boisheim können als Anlaufstelle dienen“, sagt Anemüller.

Die Ideen, Vorschläge und Anregungen der Bürgerschaft werden den Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung vorgelegt - ebenso wie die Vorschläge einer Expertenkonferenz, in der Vertreter von Vereinen, Institutionen, Verbänden, Genossenschaften sitzen und die thematisch breit gefächert ist. Vom Bau- und Wohnungswesen übers Brauchtum und die Wirtschaft und das Gesundheitswesen bis zum Bildungsbereich.

Bis wann soll das neue Leitbild stehen? Für den „theoretischen“ Teil einschließlich der Definition von Handlungsfeldern, kalkuliert Anemüller mindestens ein Jahr. „Anschließend gilt es, ein Umsetzungskonzept zu schmieden: Die Überführung in einen Maßnahmenkatalog dürften bis zu einem weiteren Jahr in Anspruch nehmen.“ Unabdingbar sei ein regelmäßiges, etwa zweimal jährlich stattfindendes Controlling zwecks Abgleichs von Leitbild und Maßnahmenkatalog mit der Realität.