Das Orpheum feiert 150. Geburtstag

Viersen-Dülken : Orpheumsbrüder laden zu Jubiläum

Karnevalisten haben eine Ausstellung mit historischen Stücken, eine Bilderschau und ein Straßenfest organisiert.

In 150 Jahren Vereinsgeschichte sammeln sich unzählige Erinnerungsstücke an. Manche schlummern im Archiv vor sich hin, andere werden von Sammlern oder Privatleuten zur Verfügung gestellt, die beim Ausmisten auf dem Dachboden eine Kiste mit historischem Inhalt gefunden haben. All diese Stücke zu sichten, eine Auswahl zu treffen, eine Ausstellung zu konzipieren: Das kostet Zeit. „In dieser Ausstellung stecken ein paar Hundert Stunden Arbeit“, sagt Frank Jansen und schlendert zu einer der Vitrinen, die im Foyer der Sparkasse in Dülken aufgestellt sind. Mit Hans Cöhnen und Ulf Jansen hat er anderthalb Jahre lang die Schau zum Jubiläum der Großen Karnevalsgesellschaft Orpheum vorbereitet. Jetzt sind in der Sparkasse geschätzt Hunderte Exponate zu sehen. Auch ein Familienfest zum 150. Geburtstag des Vereins ist geplant.

Zu den Exponaten zählt auch eine 145 Jahre alte Satzungsschrift

In einem der Schaukästen, die das Gefängnismuseum Anrath bereitgestellt hat, ist eine 145 Jahre alte Abschrift der Orpheums-Originalsatzung ausgelegt. 34 Orpheumsbrüder gründeten 1869 die KG, heute zählt sie 89 Mitglieder. Session für Session unterhalten sie mit aufwendigen Bühnenstücken das Publikum, investieren viel Zeit in Kostümauswahl, Proben und Kulissenbau, sammeln Geld für gemeinnützige Zwecke. „Mit drei öffentlichen Bausteinen werden alle Dülkener eingeladen, mit den Orpheumsbrüdern dieses Jubiläum zu feiern“, sagt Orpheums-Präsident Günther Kamp. Natürlich seien auch Gäste aus den anderen Stadtteilen willkommen.

Ein Baustein: Ab Samstag, 15. Juni, zeigen die Orpheums-Bühnenkünstler Henriette Janssen und Angelo Pirisino in einer Bilderausstellung im Schuhhaus Kocken Am Alten Markt 11, was ihnen zum Thema „150 Jahre Orpheum“ eingefallen ist. Zweiter Baustein ist danach, am Samstag, 6. Juli, das große Fest auf dem Alten Markt. Der Orpheums-Chor singt, die „Remember“-Band spielt ein Konzert, Imbiss- und Getränkewagen stehen auf dem Platz. Los geht’s um 18 Uhr.

„Einer der Höhepunkte wird sicherlich die Taufe der vier Heidenkinder zu ordentlichen Orpheums-Mitgliedern im Dülkener Brunnen sein“, sagt Kamps. Etwa um 20 Uhr sollen die Vier, die sich zwei Jahre auf Probe in der Karnevalsgesellschaft bewähren mussten, in einer offiziellen Zeremonie ihren Eid leisten. Danach tritt die Band „Remember“ auf.

Dritter Baustein im Jubiläumsjahr ist die Ausstellung in der Sparkasse. Fünf bis sechs Wochen seien die Exponate zu besichtigen, sagt Kamp. Der Dülkener Sammler Karl Giesen habe viel Material bereitgestellt, erzählt er. Außerdem sei während der Recherche eine „Acta specialia“ der Polizei aufgetaucht, mit Dokumenten aus der Anfangszeit, ergänzt Frank Jansen. „Wir haben mit fünf Protokollbüchern angefangen. Jetzt haben wir 1,7 Terabyte digitales Material“, sagt er.

Ein aus einer Patronenhülse gefertigter Orden von 1946 gehört zu den Ausstellungsstücken, ebenso Prinzenzepter, Kappen, Fotos, Kassenbücher, Zeitungsausschnitte, Programmhefte, Werbeplakate für Dülkener Rosenmontagszüge und Druckplatten. Auch Prinzenkostüme sind dabei, „sowas sehen die Leute sonst nicht so aus der Nähe“, sagt Jansen. Und: „Zum ersten Mal wird hier in einer Ausstellung die Original-Prinzenkette der Stadt Dülken gezeigt“, erzählt er. 1950 wurde sie erstmals von einer Tollität getragen.

Auch ein Hingucker: „Wir haben eine Sechs-Meter-Bilderwand als Hommage an unsere Künstler“, sagt Jansen. Fotos, Aquarelle und Tuschezeichnungen machen deutlich, wie detailverliebt die Orpheumsbrüder beim Entwurf und Bühnenbau ans Werk gehen – und das sicher auch in der kommenden Session.

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