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Corona-Krise sorgt im Kreis Viersen für Lieferengpässe in der Fahrradbranche

Corona-Auswirkungen im Kreis Viersen : Die E-Bikes werden knapp

Die Nachfrage nach Fahrrädern, insbesondere nach Pedelecs, boomt. Die Corona-Pandemie hat allerdings dafür gesorgt, dass die Lager sehr leer sind. Auch bei Ersatzteilen kommt es zu Lieferschwierigkeiten.

In den Fahrradfachgeschäften kommt es derzeit vermehrt zu Engpässen. Die Auswirkungen von Corona schlagen in der Radbranche zu. Die Lager bei den Lieferanten sind leer. Es kommt nur das nach, was schon bestellt war. „Liebe Kunden, auf Grund der aktuellen Lage kann es zu Lieferverzögerungen kommen. Wir arbeiten täglich hart daran, dass wir Ihnen die bestellten E-Bikes so schnell wie möglich liefern“, heißt es etwa auf der Internetseite eines Nettetaler Fahrradfachgeschäftes. „Viele Lieferanten hatten noch Restbestände, aber bis alles wieder in gewohnter Art und Weise nachkommt, dauert es noch“, berichtet Tobias Vievers, Mitarbeiter aus der Werkstatt von Zweirad Optenplatz in Brüggen. „Das gilt auch für ganz banale Ersatzteile wie Lenker, Sattelstützen, Reifen oder Schläuche, Dinge, die wir immer benötigen, sind von den Lagern abverkauft worden“, ergänzt er. „Die Zulieferer fahren aktuell teilweise zwölf-Stunden-Schichten oder sogar zwölf plus zwei, um zu produzieren.“

Ganze Lieferketten sind aufgrund der Corona-Krise unterbrochen worden. Die Pandemie führte in vielen Zulieferbetrieben zu Stopps in der Produktion beziehungsweise zu reduzierten Produktionen. So liefen Schichten bei Fahrradherstellern nicht in voller Besetzung. Sie wurden aufgeteilt, um beim Auftreten eines Corona-Falles nicht die gesamte Produktion schließen zu müssen, sondern nur die Mitarbeiter in Quarantäne zu verweisen, die in der entsprechenden Schicht arbeiteten. Umgekehrt hieß dies aber: Die gewohnte Produktion konnte nicht eingehalten werden. Zudem fehlt es oftmals an Rohmaterial für Vorlieferanten.

Hersteller aus den verschiedenen Teilbereichen, angefangen bei Gangschaltungen bis hin zu Motoren für Pedelecs, mussten die Produktion lahmlegen, weil einzelne Komponenten nicht vorhanden waren, nachdem Zulieferer geschlossen hatten. Nahezu alles ist zwar wieder angelaufen, aber erst jetzt sind die Auswirkungen voll zu spüren. Die Lager sind leer und es dauert, bis sie wieder aufgefüllt sind.

Mit dem E-Bike zur Arbeit zu fahren entwickelt sich zum Trend

Dass ein Kunde auf sein bestelltes Wunsch-Pedelec zehn Wochen warten muss, ist aktuell keine Seltenheit. Normalerweise beträgt die Wartezeit eher vier Wochen. Auch Zubehöre wie Helme lassen teilweise drei bis vier Wochen auf sich warten. Bei einigen Herstellern ist zudem die komplette Pedelec-Produktion ausverkauft.

Die ruhenden Produktionsketten können indes nicht von einem auf den anderen Tag wieder voll anlaufen. Teilweise tauchen Qualitätsprobleme auf. Ein Antriebseinheitenhersteller, der ein bestimmtes Elektronikteil in China herstellen lässt, erhielt zwar die bestellte Ware, aber beim Einbau stellte sich heraus, dass sie fehlerhaft war. Die Charge ging zurück und das Warten auf eine neue Lieferung startete. So kommt es immer wieder zu Lieferverzögerungen, die allesamt der Corona-Pandemie geschuldet sind. Aufgrund der Logistikprobleme kann es in vielen Bereichen etwas länger dauern.

Dass das Radfahren in Zeiten von Corona jedoch generell einen enormen Boom erlebt, konnten die Inhaber der Fahrradgeschäfte bemerken. Fahrradfahren wurde beliebter als Freizeitbeschäftigung, aber auch als Alternative zum öffentlichen Personennahverkehr – und so stiegen die Verkaufszahlen. Mit dem E-Bike zur Arbeit zu fahren entwickelt sich zum Trend.

Aber nicht nur die Nachfrage nach neuen Fahrrädern stieg, dabei insbesondere nach Pedelecs, sondern auch alte Räder wurden wieder aus Kellern und Garagen geholt. „Es kamen Kunden mit Rädern, die 3 bis 40 Jahre alt waren. Da hätte die Reparatur deutlich den Wert der Räder überstiegen“, sagt Achim Bungardt vom Geschäft Radsport Lankes in Viersen. 80 bis 90 Anrufe pro Tag wegen Reparaturanfragen und Neukauf waren keine Seltenheit. Nicht nur in seiner Werkstatt reihten sich die zu reparierenden Räder aneinander. Es habe Reparaturen ohne Ende gegeben, kann auch Vievers bestätigen. Langsam kehre indes ein Stück Normalität ein, fügt der Fachmann an.