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Corona in Viersen: "Eier mit Speck" abgesagt - was passiert mit der Bierbörse?

Corona im Kreis Viersen : Das Veranstaltungsverbot trifft hart

Kein „Eier mit Speck“, kein Schützenfest – auch die Billard-WM hat jetzt ein Problem.

Bis zuletzt haben die Macher des Musikfestivals „Eier mit Speck“ am Event gearbeitet, jetzt ist klar: Die beliebte Großveranstaltung in Viersen fällt aus, ebenso zahlreiche Schützenfeste im Westkreis. Und die Billard-WM könnte zur Geister-WM werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Bundesländer hatten sich darauf verständigt, dass Großveranstaltungen bis Ende August verboten sind.

Wolfgang Genenger, stellvertretender Bundesschützenmeister, sagte, das Verbot komme nicht ganz überraschend. „Sicherlich geht davon die Welt nicht unter, die Gesundheit muss jetzt eben an erster Stelle stehen.“ Der wirtschaftliche Verlust sei für die Vereine zu verkraften, doch an den Festen „hängt noch viel dran“, etwa Zeltverleiher, Musikkapellen, Getränkehändler. Er hofft, dass die Vertragspartner sich gegenseitig gut behandeln. „Der eigentliche Verlust ist aber, dass wir nicht zusammenkommen können. Das gemeinsame Feiern fehlt.“ Allein im Viersener Stadtgebiet müssten neun Schützenfeste „mit Tausenden Schützen“ für dieses Jahr ausfallen, ebenso wie der für Mai geplante Bundesköniginnentag in Grefrath – „nach fast fünf Jahren Vorbereitung“.

Jürgen Haigh, einer der Veranstalter von „Eier mit Speck“, sagte: „Es ist eine offizielle Vorgabe und damit sind uns die Hände gebunden.“ Die Vorbereitungen würden sofort eingestellt: „Es tut uns sehr leid, aber wir nehmen es so an, wie es ist und freuen uns auf ein ,Eier mit Speck’ 2021.“

Andreas Born organisiert die Dülkener Bierbörse, die jedes Jahr im Sommer Tausende Besucher in den anlockt. Für Ende Juni war eigentlich die 14. Börse geplant. „Für mich als Veranstalter bedeutet das natürlich einen absolut harten wirtschaftlichen Einschnitt“, sagt Born. Er organisiere insgesamt drei Bierbörsen. „Die erste, in Eschweiler, hatten wir schon in den Oktober verschoben. Jetzt müssen wir grundsätzlich prüfen, ob es möglich ist, auch den Termin in Dülken nach hinten zu verschieben.“ Ob das überhaupt sinnvoll sei oder man doch lieber ein Jahr abwarte? Darüber müsse er sich jetzt Gedanken machen.

Von dem Großveranstaltungsverbot sind in Viersen zahlreiche städtische Veranstaltungen betroffen. Die Verwaltung hatte zwar ohnehin alle Groß-Events bis 7. Juni (Dülkener Kindertag) abgesagt. Doch nun ist auch der ins Auge gefasste Ausweichtermin fürs Streetfood-Festival vom 21. bis 23. August perdu. Auch das zweitägige Jubiläumsfest zu „50 Jahre Viersen“ am zweiten August-Wochenende kann nicht stattfinden. Für das Event hatte die Stadt die Planungen ruhen lassen, um keine unnötigen Kosten zu produzieren.

Bürgermeisterin betont, dass jetzt wenigstens Gewissheit herrsche

Betroffen sind auch der Stadt-Land-Markt, die „Süchtelner Vielfalt“, der Kinderflohmarkt, das Dülkener Mühlenfest, die Mediterrane Nacht sowie Viersen Open Art. Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) sagte: „Es ist gut, dass jetzt für diesen langen Zeitraum entschieden wurde, weil es allen Planungssicherheit gibt.“ Die Maßnahmen zeigten, dass die Bedrohung durch die Corona-Pandemie ernst genommen werden müsse: „Wir haben die Chance, eine Katastrophe zu verhindern – und die Chance müssen wir nutzen.“

Besonders bitter ist das Veranstaltungsverbot für die Macher der Billard-WM. Das internationale Sport-Event – für Anfang März geplant – war die erste Großveranstaltung im Kreis Viersen, die wegen Corona abgesagt wurde. Die Deutsche Billard-Union stellte kurz darauf den Ersatztermin vor: 27. bis 30. August. Helmut Biermann, Präsident der DBU, reagierte am Mittwochabend geschockt auf die Nachricht. „Wir hatten abgesagt, als es noch keine staatlichen Restriktionen gab, haben deshalb keinen Anspruch aus Fördertöpfen.“ Das gebuchte Hotel in Mönchengladbach habe sich kulant gezeigt und dem Verband 50 Prozent der Stornokosten erlassen, „aber unter der Voraussetzung, dass wir die Zimmer im August nehmen“. Jetzt drohen 28 000 Euro Verlust. Biermann überlegt jetzt, ob die Billard-WM nicht trotzdem in Viersen Ende August stattfinden kann – ohne Zuschauer. „Da müssten allerdings unsere Sponsoren mitziehen.“

In Nettetal sollte Ende August das Seenfest am De-Witt-See gefeiert werden. Hans-Willi Pergens, Wirtschaftsförderer der Stadt Nettetal, will erst einmal die Erlass-Lage vom Land kennen. Entscheidungen über Absagen müssten im Team mit der Verwaltungsspitze beraten und entschieden werden.