Brüggen: Heilpraktiker Klaus R. ab 29. März 2019 in Krefeld vor Gericht

Krebszentrum in Brüggen : Heilpraktiker ab März vor Gericht

Dem ehemaligen Betreiber eines Krebszentrums in Bracht wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Für einige Krebspatienten war die Behandlung in Bracht die letzte Hoffnung: Klaus R. unterhielt an der Marktstraße ein Biologisches Krebszentrum. Unter anderem behandelte er Patienten mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Bromopyrovat, einem sogenannten Glukose-Hemmer, der wissenschaftlichen Studien zufolge die Energieproduktion der Krebszellen bremst. Im Juli 2016 starben drei Menschen kurze Zeit nach der Behandlung in Bracht. Alle hatten eine Infusion mit 3-Bromopyrovat erhalten. Ab 29. März muss sich der Heilpraktiker vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Krefeld verantworten.

Am Montag gab das Landgericht die Prozesstermine bekannt. Zehn Verhandlungstage sind angesetzt. Das Urteil könnte nach jetzigem Stand am 28. Juni fallen.

Dem 60-jährigen Angeklagten aus Moers wird fahrlässiger Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung in drei Fällen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll es durch einen Fehler beim Abwiegen zu einer Überdosierung des ­Wirkstoffs in der Infusionslösung gekommen sein. Der Fehler beim Abwiegen sei zustande gekommen, weil die benutzte Waage für das Wiegen von Kleinstmengen nicht geeignet gewesen sei und es auch keine Kontrolle der Dosierung gegeben habe.

Der Heilpraktiker habe laut Staatsanwaltschaft die Überdosierung mit 3-Bromopyrovat erkennen und verhindern können. Bei der Anklage-Erhebung im vergangenen Jahr hatte Oberstaatsanwalt Axel Stahl erklärt: „In großen Krankenhaus-Apotheken ist es üblich, dass bei derlei Anwendungen immer vier Augen beim Wiegen drüberschauen. Der Heilpraktiker hat eine Kontrolle unterlassen.“ Die Infusion soll um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert gewesen sein. Ab dem viereinhalbfachen Wert werde die Blut-Hirn-Schranke unterbrochen, sterben Hirnzellen ab.

Drei Patienten starben kurz
nach der Medikamentengabe

Ein 55-jähriger Mann aus den Niederlanden, eine 43-jährige Niederländerin und eine 55-jährige Belgierin starben einige Tage, nachdem sie in Bracht eine Infusion erhalten hatten.

Eine weitere Patientin litt nach Angaben der Ermittler unter Übelkeit und Unwohlsein. Bei ihr sei die Behandlung nach der ersten Infusionsgabe abgebrochen worden.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften dauerten fast zwei ­Jahre. Unklar war lange Zeit, ob es gelingen würde, die Überdosierung von 3-Bromopyrovat nachzuweisen. Wie die Staatsanwaltschaft 2018 bekannt gab, sei genau das gelungen. Aus den Stoffen, die beim Abbau von 3-Bromopyrovat entstehen, könne man mittels Reihenuntersuchungen die Dosierung nachweisen. Zusätzlich soll die Polizei Reste der Infusionslösung beschlagnahmt haben.

Das Biologische Krebszentrum im Bracht war vor allem bei Patienten aus den Benelux-Ländern beliebt, weil dort strengere Regeln für die heilpraktische Behandlung gelten. Eine Behandlung von zehn Wochen Dauer kostete pauschal 9900 Euro. Der Heilpraktiker warb seinerzeit auf seiner inzwischen abgeschalteten Homepage mit den Worten „100 Prozent biologisch“.

Nach den ungeklärten Todesfällen wurde die Praxis in Bracht geschlossen. Im Kreis Viersen hat Klaus R. bis zum Abschluss der Ermittlungen Berufsverbot.

Die Todesfälle hatten deutschlandweit großes Aufsehen erregt und zu einer Debatte über das Heilpraktikergesetz geführt. Als Konsequenz aus den Todesfällen hatten Politiker und Ärzte strengere Regeln für Heilpraktiker gefordert.

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