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Bahnlärm: Ein Sieg für den Lärmschutz

Bahnlärm: Ein Sieg für den Lärmschutz

Die Stadt war erfolgreich: Die Lärmschutzwände werden fast so lang wie zuerst geplant.

Viersen. Die Viersener sind genervt vom ewigen Eisenbahnlärm. Gleich ob sie nahe der Strecke Mönchengladbach-Viersen-Krefeld oder der Strecke Venlo-Nettetal-Viersen-Krefeld wohnen. Seit der EU-Freigabe der Schienenwege für private Bahngesellschaften quält vor allem nachts Lärm großer Dieselloks ausländischer Herkunft wie etwa der berüchtigen russischen Ludmilla. Nun dürfen die Viersener etwas optimistischer sein.

Bürgermeister Günter Thönnessen und Beigeordneter Gerd Zenses sind es nach "Gesprächen im Bundesverkehrsministerium was den Lärmschutz in Viersen angeht. Für Dülken, Nettetal und Anrath sehen sie einen Silberstreif am Horizont.

Nach Lärm-Protesten maßgeblich in Dülken im Herbst war bekannt geworden, dass Lärmschutzwände an den Bahnstrecken in Alt-Viersen gebaut würden. Vier Kilometer Schallschutzwand auf den Bahndämmen sollten ab Herbst 2007 entstehen. Mitte des Jahres wurde Viersens Politik jedoch überrascht, als das Eisenbahn-Bundesamt 475 Meter strich: "Die Gründe waren für uns nicht nachvollziehbar." Bürgermeister Thönnessen (SPD) beschloss, sich im Berliner Verkehrsministerium für die Revision dieser Streichung einzusetzen.

Zenses gab zu, es sei zu früh, von Erfolg zu sprechen, noch sei als "Stufe 3" das Bundesamt zu bewältigen. Auch habe man in Bonn nicht die gesamten gestrichenen 475 Meter Lärmschutz zurückverhandelt. Er war aber zuversichtlich, dass 425 Meter zurück in den Plan kommen: 270 im Bereich Diergardtschule/Goetersstraße, 85 im Bereich Postgebäude/Alter Stadtgarten, 70 im Bereich Krefelder-/Güterstraße. Allein 50 Meter an Dammweg/Eichenstraße seien ohne Chance. Dort sei ein Gewerbegebiet.

Die Viersener hatten in Bonn u.a. argumentiert, dass die Stadt in jedem Fall von Lärm betroffen sei, gleich wie die Trasse des Eisernen Rheins verlaufen werde. Thönnessen: "Wir favorisieren weder die alte Route noch die Trasse entlang der A 52." Ein weiteres Argument sei der wachsende Güterverkehr auf der Strecke Venlo-Viersen-Krefeld. Wobei im Ministerium zu erfahren gewesen sei, dass der Verkehr nicht mehr zunehme. Die Niederländer zögen die Betuwe-Linie vor.

Zenses wusste von einem Gesinnungswandel in Bonn, was Lärm-Messwerte an Eisenbahnstrecken angeht. Man wolle offenbar anders als bisher den Lärm auch nachts messen. Dann kämen höhere Werte zustande für nachts befahrene Strecken. Der Bund müsse dann seine Prioritäten für den Lärmschutz ändern. Wenn dann auch die Mittel des Schutzprogramms erhöht würden, bisher 100 Millionen Euro, dann sehe er auch für Dülken, Nettetal und Anrath einen Silberstreif am Horizont.

1999: Teile der Viersener Eisenbahndurchfahrten werden in das Lärmsanierungsprogramm des Bundes aufgenommen.

2003: Die zuständige DB Projektbau und die Stadt stehen in Kontakt, um die Planungen abzustimmen.

2006: Die Projektbau legt dem Eisenbahn-Bundesamt die Pläne zur Finanzierung vor.

2007: Im März genehmigt das Amt die Pläne, streicht aber 475 von 4000 Metern Lärmschutzwand.

2007: Im Juli verhandeln Bürgermeister und Beigeordneter von diesen 475 gestrichenen Metern 425 im Bundesverkehrsministerium zurück.

2007: August: Gibt das Eisenbahn-Bundesamt sein "Ja" zu dem Gesprächsergebnis?