„Aus“ für das Höhenbad

„Aus“ für das Höhenbad

Der Versorger empfiehlt, das Gebäude abzureißen und bekennt sich in seiner Standortbilanz zu den beiden anderen Bädern.

Viersen. Das Wasser ist raus: Das Süchtelner Höhenbad hat definitiv keine Zukunft mehr. "Das Bad ist außer Betrieb, es wird stillgelegt" machte am Dienstag Frank Kindervatter, Geschäftsführer der Niederrheinwerke, vor Journalisten deutlich. Der Stadt wolle man empfehlen, das Bad abzureißen und das 12.000 Quadratmeter große Gelände am Rande der Höhen in ein Wohngebiet umzuwandeln.

Gleichwohl bekennt sich Kindervatter zu den weiteren Viersener Bädern Jugendstilbad an der Burgstraße und dem neugestalteten Ransberg. "Bäder schreiben hohe Verluste, aber das nehmen wir hin", sagte Kindervatter im Rahmen einer Standortbilanz, die den bisherigen Geschäftsbericht ersetzen soll. Kostendeckend könne ein Bad erst bei einem Eintrittspreis von 12,80 Euro arbeiten - derzeit liege der durchschnittliche Erlös pro Badegast bei 1,80 Euro.

Dabei betont Kindervatter die Bedeutung der Niederrheinwerke für die Region als Wirtschaftsfaktor. Gut 300 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen vom Schwimmmeister bis zum Gaslecksucher, rund 30 junge Leute befinden sich in der Ausbildung. Und Aufträge werden vor allem an Firmen in der Region vergeben. Fast vier Millionen Euro betrug das Volumen im vergangenen Jahr. "Von jedem Euro, den die Niederrheinwerke einnehmen, bleiben rund 20 Cent in der Region", sagt Kindervatter.

Davon profitiert auch die Stadt Viersen. Rund elf Millionen Euro flossen in Form von Gewerbesteuern, Gewinnausschüttungen und Konzessionsabgaben in die Stadtkasse. Auch Brauchtum, Sport und Kultur profitieren; 170.000 Euro wurden gespendet - vom Jazzfestival bis zum Karnevalszug. "Dieses Engagement wollen wir möglichst noch ausweiten", kündigt Kindervatter an.

Erwirtschaftet werden die Erlöse vor allem durch den Verkauf von Strom, Gas und Wasser. Rund 50.000 Kunden beziehen Strom von den Niederrheinwerken, 31.000 Haushalte bekommen Erdgas, 26.600 Kunden erhalten Trinkwasser.

Nach der großen Werbekampagne der Stadtwerke Düsseldorf in Viersen im vergangenen Jahr kehrten inzwischen viele Kunden zu den Niederrheinwerken zurück. "Service spielt eine große Rolle, die Menschen geben dem lokalen Versorger den Vorzug", sagt Kindervatter.

Kaum noch Verluste fahren die Verkehrsbetriebe ein, sagt Kindervatter. Das Fahrgastaufkommen in den 25 Bussen der Niederrheinwerke sei gestiegen.

Ausweiten wollen die Niederrheinwerke ihr Engagement in der Region. Nach der Übernahme der Stadtwerke Tönisvorst und der Beteiligung an der Versorgung in Schwalmtal und Brüggen will man zum 1. Januar 2010 mit den Gemeindewerken Grefrath eine neue Gesellschaft zum Meß- und Zählerwesen gründen.

Dass sich die Niederrheinwerke in Viersen vielfältig engagieren und sich trotz Verlusten zu den Bädern bekennen, heißt aber nicht, dass in diesem Bereich die Bäume in den Himmel wachsen. Ein Freibad beispielsweise sei nicht finanzierbar, sagt Kindervatter. Und ergänzt: "Warum sollen die Viersener nicht in die Bütt nach Willich fahren?"

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