Airport in Weeze braucht eine breitere Basis

Airport in Weeze braucht eine breitere Basis

Die neue Betriebsgenehmigung sorgt erst einmal für Ruhe. Aber mehr Fluggesellschaften müssen sich ansiedeln.

Weeze. Große Aufregung am Flughafen Weeze: Von der Bundespolizei wurde ein 34-jähriger Pole festgenommen, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Schwerer Diebstahl und Körperverletzung werden dem Mann vorgeworfen. Aber diese Form von Aufregung nimmt man am Niederrhein-Airport gerne hin. Denn beinahe hätte es diesen Flug nach Shannon/Irland gar nicht mehr gegeben, den der gesuchte Pole erreichen wollte.

Per sofort hätte die irische Billigfluggesellschaft Ryanair die Flüge ab Weeze eingestellt, wenn die Düsseldorfer Bezirksregierung nicht eine neue Betriebsgenehmigung für den Flughafen erteilt und somit das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster umschifft hätte.

Die Richter hatten im Eilverfahren der Klage eines Anwohners stattgegeben und die Betriebszeiten des Flughafens eingeschränkt. Daraufhin hatte Ryanair angekündigt, sich aus Weeze zurückzuziehen und auch gebuchte Flüge nicht mehr abzuwickeln. Am Samstag wäre dies der Fall gewesen.

Wenn nicht die neue Betriebsgenehmigung am letzten Freitag erteilt worden wäre. Die schreibt eine generelle Betriebszeit von 6 bis 22 Uhr fest, erlaubt aber Fluggesellschaften, die Maschinen in Weeze stationiert haben, Flugzeiten bis 23 Uhr und Landungen sogar bis 23.30 Uhr. Zudem sieht die Genehmigung noch eine Verspätungstoleranz von 30 Minuten vor.

Auch wenn sich damit die dunklen Wolken am Himmel über Weeze etwas verzogen haben, von eitel Sonnenschein kann immer noch keine Rede sein. Denn die Verfahren vor Gericht sind damit sicherlich nicht ausgestanden. Und in der Vergangenheit hatte die Betriebsgenehmigung der Düsseldorfer Bezirksregierung der Überprüfung durch die Münsteraner Richter nicht standgehalten.

Und ein weiteres Mal wird sicher auch ein ohnehin äußerst fragwürdiges Ultimatum durch die Fluggesellschaft Ryanair nicht verfangen. In einem selten einmütigen Schulterschluss standen weite Teile der Bevölkerung und der Politik zum Niederrhein-Flughafen, doch eine Verwaltung wie die Düsseldorfer Bezirksregierung darf sich auch mit dem Argument Arbeitsplätze nicht unter Druck setzen lassen.

Deshalb ist es nötig, dass der Flughafen eine breitere Basis bekommt und nicht mehr fast vollständig von Ryanair abhängig ist. Auf eine Fluggesellschaft allein, die von heute auf morgen ihren Rückzug bekanntgeben kann, kann man nicht bauen. Dazu ist seit Samstag ein wichtiger Schritt getan. Die Fluggesellschaft Hamburg international hat in Weeze eine Station eröffnet und einen neuen Airbus A319 stationiert.

Damit wird das Angebot von Hamburg international (HHI) ab Weeze mächtig ausgeweitet. Während im Sommer letzten Jahres mit Mallorca nur ein touristisches Ziel auf dem Flugplan stand, werden nun 13 Orte angesteuert. Darunter befinden sich Sharm el Sheik, Korfu, Portugal oder Kreta. "Die Expansion ist unsere Antwort auf die große Nachfrage nach Flugangeboten ab Weeze", sagt HHI-Geschäftsführer Norbert Grella. Ein sichtlich entspannter Ludger van Bebber (Flughafen-Geschäftsführer) wünschte "many happy landings in Weeze".

Entspannung kehrt auch bei den anderen Beschäftigten des Flughafens ein, deren Arbeitsplätze wieder ein ganzes Stück sicherer geworden sind. In deren Namen hatte "pro: niederrhein", die Aktionsgemeinschaft zur Förderung des Airports, von einer absurden Rechtsprechung des OVG Münster gesprochen. Zahllose Familien hätten um ihre Existenz bangen müssen und seien um den Schlaf gebracht worden, damit einige wenige Kläger etwas ruhiger hätten schlafen können.

Die nächste juristische Runde wird folgen. Aber eines können die Richter nicht mehr in Frage stellen: den wirtschaftlichen Erfolg des Flughafens. Der Airport Niederrhein hat sich als drittgrößter Flughafen in NRW etabliert.

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