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Warten auf die leisen Jäger der Nacht

Warten auf die leisen Jäger der Nacht

Bei der Wanderung zur Europäischen Fledermausnacht führt Experte Markus Heines 30 Interessierte durch die faszinierende Welt der Fledertiere an der Nette.

Nettetal. Noch flattert der Falter hin und her. Plötzlich schießt im Lichtkegel der Taschenlampe ein Schatten heran — und ausgeflattert: „Das kann man nur selten beobachten, wie eine Wasserfledermaus (kl. Foto: dpa) sich einen Nachtfalter schnappt“, schwärmt Markus Heines. Mit Überraschungen kann der Experte bei seiner nächtlichen Führung noch öfter aufwarten: Er leitet die Wanderung zur Europäischen Fledermausnacht an der Nette.

Düster und gespenstisch der Wald, schlammig der Weg, Nieselregen. Rund 30 Naturfreunde, fast die Hälfte Kinder, tapern vorsichtig an Pfützen vorbei dem Experten hinterher. Über dem Fluss noch ein Hauch von Abenddämmerung, ein fahler Schimmer zwischen Wolken und Wasser. Die Gruppe bleibt stehen, alles still. Doch dann ein Rauschen, schließlich ein Knattern, laut und deutlich: „Da hören wir schon die Wasserfledermaus“, erklärt Heines. Er hält den Detektor hoch, ein flaschengroßes Gerät, das die Ultraschalllaute der Fledermäuse fürs menschliche Ohr hörbar macht. „Könnten wir die Fledermäuse hören, dann würde durch ihre lauten Schreie der Wald nachts zur Disko“, scherzt Heines.

Dicht über dem Wasser jagen sie, vom Ufer gut zu sehen, noch besser von der Brücke: „Ist das nicht toll, so viele Fledermäuse?“, fragt der Mitarbeiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Nicken, Raunen, Staunen in der Gruppe. Erst recht, als er erläutert, dass Wasserfledermäuse in einer Nacht tausende von Mücken vertilgen. Eine Einführung in die Welt der geschützten Fledertiere, über die elf Arten in der Region und über Nisthilfen hatte er vor der Wanderung im Naturschutzhof im Sassenfeld gegeben. Dabei haderte der Experte mit den Monokulturen: „Überall Thuja und Kirschlorbeer, auf den Feldern Mais, da kommen kaum Insekten und eben auch keine Fledermäuse.“

Draußen gibt es auch Abendsegler und eine seltene Rauhautfledermaus zu sehen: „Wir sind heute besonders erfolgreich“, freut sich Heines mit den Teilnehmern. Dabei schärft der Blick nach oben auch die Sicht nach unten: In der einbrechenden Nacht zeigt sich manche Erdkröte am Weg, längs der Nette blinken wie sonst nur im Frühsommer Glühwürmchen. Doch oben jagt der Star der Nacht durch die Luft — Heines: „Für die Wasserfledermaus ist so ein dicker Nachtfalter ein ordentlicher Happen — wie für uns ein Schnitzel!“