Vorsichtige Suche nach Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg

Vorsichtige Suche nach Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg

37 Löcher werden in der Sektion zwischen Breyell und Schaag gebohrt, weil es einen „Kampfmittel-Verdachtspunkt“ gibt. Am Mittwoch haben die Arbeiten begonnen.

Breyell. Silvio Kunkel und sein Team haben viel vor in Lötsch: 37 Löcher müssen sie bohren, um festzustellen, ob im Erdreich direkt neben der Bahnlinie Kaldenkirchen-Viersen eventuell eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegt.

Dort haben Spezialisten der Bezirksregierung Düsseldorf anhand von Luftbild-Aufnahmen einen sogenannten „Kampfmittel-Verdachtspunkt“ ermittelt. Ob sich der Verdacht erhärtet, versucht seit Mittwoch die Firma Kampfmittel-Bergung GmbH (KMB) herauszufinden.

Am Nachmittag, etwa gegen 14.30 Uhr, hatten Kunkel und seine beiden Kollegen acht Löcher in die Böschung an der mehr als 140 Jahre alten Bahnbrücke gebohrt. Doch bis zu diesem Zeitpunkt „war nichts Besonderes dabei“, so der Truppführer. Also kein Metall-Gegenstand, der eventuell auf ein explosives Überbleibsel schließen könnte. Bis zum Abend kam das Team auf 15 Bohrungen. Doch da wollte Kunkel sich zu den Ergebnissen nicht mehr äußern — das dürfe er nicht.

Im Umkreis von sechs Metern um den „Kampfmittel-Verdachtspunkt“ wird gesucht. Vorsichtig senkt ein fünf Tonnen schwerer Kettenbagger die Spindel in den Boden — und zwar nach dem Prinzip eines Korkenziehers. „Wir arbeiten ohne Vortrieb. Und wenn der Bohrer auf Widerstand trifft, geht es automatisch nicht weiter in die Tiefe“, sagt Kunkel.

Wenn es keinen Widerstand gibt, wird eine weitere, jeweils ein Meter lange Spindel in den Boden getrieben. Und zwar so lange, bis eine Tiefe von sieben Meter erreicht ist. — gerechnet ab der sogenannten Gelände-Oberkante, wie sie im Jahr 1945 war. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch schon mal zehn, zwölf oder 15 Meter tief gebohrt werden muss, weil im Laufe der Jahre durchaus neue Schichten dazu gekommen sein können.

Immer wieder wird eine Sonde mit einem Metalldetektor in die Tiefe gelassen, der Abweichungen vom Erdmagnetfeld misst. So kann festgestellt werden, ob die Spindel auf einen Stein oder einen Gegenstand aus Metall gestoßen ist. Trifft der Bohrer auf einen Stein, wird direkt daneben ein zweiter Versuch unternommen.

Stößt man auf einen Metallkörper, wird der Abstand größer. So werden nach und nach alle 37 Bohr-Punkte abgearbeitet. Und dabei natürlich immer ganz vorsichtig. Denn es sei wirklich nicht empfehlenswert, eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg anzubohren . . .

Schwierig sind die Arbeiten in Lötsch vor allem, weil sich die meisten der 37 Bohrpunkte in der Böschung an der mehr als 140 Jahre alten Bahnbrücke befinden. „Das macht es nicht gerade einfacher“, sagt Kunkel. Denn da trifft man immer wieder auf Fundamente. Und auch bei den Punkten auf der Fahrbahn gibt es Widrigkeiten. Wegen einer Reihe von Versorgungsleitungen muss dort ebenfalls mit besonderer Vorsicht gearbeitet werden.

„Bisher wurde nichts gefunden“, fasste am Mittwochnachmittag Marielle Erb, Pressesprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf, das Ergebnis der Bohrungen am ersten Tag zusammen. Heute werden die Arbeiten fortgesetzt. Und geplant ist, dass Silvio Kunkel und sein Team morgen an der Brücke in Lötsch aufräumen.

Denn für Samstag ist schließlich der Kinderzug durch die Sektion zwischen Breyell und Schaag geplant. Und der soll auch stattfinden — jedenfalls wenn die KMB-Männer in den 37 Bohrlöchern nichts finden, was den „Kampfmittel-Verdachtspunkt“ erhärtet.