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Vier Angeklagte aus Nettetal im Prozess vor dem Landgericht Krefeld

Nettetal : Firma soll nur drei Euro pro Stunde gezahlt haben

Im Prozess um Sozialbetrug in Nettetal sagte nun ein Ermittlungsbeamter aus.

. Vor dem Krefelder Landgericht, 4. Große Strafkammer (als Wirtschaftskammer) wurde nun der Prozess gegen vier rumänische und mazedonische Staatsangehörige aus Nettetal fortgesetzt. Konkret wird zwei Männern und zwei Frauen das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt oder der Beihilfe hierzu in mehreren Fällen vorgeworfen. Eine weibliche Angeklagte und ein männlicher Beschuldigter (36 und 56 Jahre alt) sollen von Mai 2011 bis Oktober 2014 in Nettetal zwei Gesellschaften im Textilsektor geführt haben. Den anderen beiden Angeklagten wird vorgeworfen, Löhne berechnet und Lohnauszahlungen vorgenommen zu
haben.

Für die beiden Unternehmen hätten eine große Anzahl rumänischer Frauen angeblich als Selbstständige oder Kurzarbeiterinnen gearbeitet. Tatsächlich seien sie aber fest angestellte Arbeitnehmerinnen gewesen. Alle Frauen seien nicht ordnungsgemäß beim zuständigen Sozialversicherungsträger gemeldet worden. Auf diese Weise wurden diesen Stellen Sozialversicherungsbeträge in Höhe von mehr als 720 000 Euro vorenthalten.

Während des zweiten Verhandlungstages trat ein 55-jähriger Ermittlungsbeamter in den Zeugenstand. Er wertete diverse Geschäftskonten-Auszüge aus. Demnach habe es viele Barabhebungen der 36-jährigen Geschäftsführerin gegeben. Zudem seien auch „private Angelegenheiten“ über die Geschäftskonten abgewickelt worden.

„Ich hatte den Eindruck, dass die Frau die eigentliche Chefin war und nicht der ebenfalls als Geschäftsführer eingetragene 56-Jährige“, ergänzte der Zeuge. Bei den Vernehmungen der für die Firmen tätigen Frauen sei herausgekommen, dass diese keine Selbstständige waren, sondern fest angestellte Arbeiterinnen. Für ihre Tätigkeit hätten sie einen Stundenlohn von lediglich drei Euro erhalten und „davon mussten sie noch monatlich 250 Euro für ihre von den Arbeitgebern gestellte Unterkunft abgegeben.“ Der Prozess wird am 6. Februar, 9.30 Uhr, fortgesetzt. sts