Nettetal: Verein übernimmt Betreuung Wohnungsloser

Nettetal : Verein übernimmt Betreuung Wohnungsloser

Stadt übergibt zum 1. Januar an den Rheinischen Verein für Katholische Arbeiterkolonien.

Als Kommune sei man kein sonderlich geeigneter Träger für die Betreuung von Obdachlosen. So führte Jochen Müntinga, Bereichsleiter Soziales, im Ausschuss für soziale Angelegenheiten ins Thema Unterbringung wohnungsloser Menschen ein. Die Stadt möchte ihre Einrichtung an der Bahnhofstraße 9 in Kaldenkirchen an einen freien Träger geben. Der wurde bereits gefunden: Der Rheinische Verein für Katholische Arbeiterkolonien Aachen will zum 1. Januar übernehmen.

Im Ausschuss für Soziale Angelegenheiten stellte Vorstand Frank Brünker die Pläne des Vereins vor. Der 1887 gegründete Vereinist Spezialist für Wohnungslosenhilfe. In der Region hat er bereits in Weeze, im Kreis Heinsberg und in Blankenheim entsprechende Einrichtungen. In Dülken gibt es ein ambulantes Angebot. Insgesamt betreut er 500 stationäre Klienten und 250 ambulant.

Es gehe darum, den Menschen wieder eine Tagesstruktur und eine Perspektive zu geben. Auch wenn viele nicht auf den Arbeitsmarkt zu vermitteln sein werden. Der Verein arbeitet erfolgreich mit Werkstätten und landwirtschaftlichen Betrieben. So werden eine Imkerei und Fahrradwerkstätten betrieben. Beides stellt sich Brünker auch für Kaldenkirchen vor. Außer der Radwerkstatt, die Fahrräder für Afrika repariert, sollen eine Schreinwerkstatt, eine Imkerei, Garten- und Landschaftsbau angeboten werden.

In der Diskussion wollte Andreas Zorn (WIN) wissen, warum es kein Trägerauswahlverfahren gegeben habe. Jochen Müntinga erklärte für die Verwaltung, es wäre schon schwer gewesen, überhaupt jemanden zu finden, der das machen möchte. Am Ende gab es einen einstimmigen Beschluss für die Vorlage der Verwaltung.

Die Stadt betreibt die
Einrichtung seit dem Jahr 2018

Die Stadt wird aber die Sorge für Wohnungslose nicht ganz abgeben können. Im Rahmen der Gefahrenabwehr nach Paragraf 14 des Ordnungsbehördengesetzes wird sie die Unterkunft an der Bahnhofstraße weiter nutzen. Der Rheinische Verein wird dafür drei Bereitschaftszimmer vorhalten. Nur wenn Familien vorübergehend obdachlos werden, werden diese in eigenen Unterkünften untergebracht.

Die Stadt betreibt die Unterkunft an der Bahnhofstraße 9 und 9a seit 1. Mai 2018 im 24-Stunden-Dienst. Im April 2019 stellte die Verwaltung dem Ausschuss für soziale Angelegenheiten die Überprüfung vor. Damals kam man zu dem Fazit, dass es zwingend notwendig ist, ein neues Konzept zu entwickeln und eine neue Unterkunft zu finden.

Die notwendigen betreuenden Hilfen können nicht in einer städtischen Gemeinschaftsunterkunft ohne weitergehenden Auftrag geleistet werden. So kam der Entschluss auf, eine solche Unterkunft durch dauerhafte qualifizierte Hilfe und höhere Standards in Form einer Tagesstrukturierung, Beschäftigung und Betreuung zu betreiben und ein umfassendes Angebot auszubauen.

Die Verwaltung wurde im April beauftragt, einen qualifizierten freien Träger zu gewinnen, der die Notschlafstelle langfristig betreibt und bewirtschaftet. Das ist nun mit dem Rheinischen Verein für Katholische Arbeiterkolonien gelungen. Die Verwaltung schreibt in ihrer Vorlage, die Situation wohnungsloser Menschen in Nettetal werde sich qualitativ erheblich verbessern und weit über eine Unterbringung hinausgehen.

Das ambulante Angebot einer Fachberatungsstelle, betrieben durch den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), wird vom Landschaftsverband Rheinland und dem Kreis Viersen finanziert. Gespräche mit dem Vermieter des Gebäudes, den Steyler Missionaren, verliefen positiv, so dass der Rheinische Verein für Katholische Arbeiterkolonien als neuer Betreiber in den Mietvertrag eintreten kann Der Landschaftsverband hält die Unterkunft für wohnungslose Menschen mit ihrer Notschlafstelle als Ort einer stationären Einrichtung für
geeignet. hb