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Verein Nettetaler Literaturtage sagt Jubiläumsfestival ab

Kultur in Nettetal : Literaturtage erst nächsten Sommer

Kein Spiegelzelt auf dem Lamberti-Markt im September: Die Literaturtage 2020 wurden jetzt abgesagt. Sie hätten der Höhepunkt im Programm zum Stadtjubiläum werden sollen. Aber es gibt einen Trost.

(hb) Sie wären mit ihren illustren Künstlern ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres in der Stadt Nettetal geworden: die Nettetaler Literaturtage. Geplant hatten die Organisatoren ein großes Literaturfest zum 25-jährigen Bestehen des Vereins Nettetaler Literaturtage. Gegründet im Juni 1995 auf Initiative der Stadtbücherei und der Nettetaler Buchhandlungen, haben sich die Literaturtage in den vergangenen Jahren zu einem Markenzeichen der Kulturlandschaft in Nettetal entwickelt, mit einer weit über die Grenzen der Stadt reichenden Strahlkraft. Große Namen aus Kultur und Literatur waren dort bereits zu Gast: Iris Berben, Elke Heidenreich, Roger Willemsen, Ulrich Wickert und viele andere mehr.

Und mit großen Namen wollten die Organisatoren ihr Publikum auch beim diesjährigen Jubiläumsprogramm im September beeindrucken. Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hatte sein Kommen zugesagt, außerdem die Schauspielerin Eva Mattes, der Kabarettist Konrad Beikircher, Elke Heidenreich, Frank Goosen, Markus Orths und einige andere mehr. Auftreten sollten sie einem wunderschönen Art-Deco-Spiegelzelt, das sich der Verein bereits zwei Jahre zuvor für den September 2020 gesichert hatte.

Dann kam Corona. Und mit der Pandemie kam die Frage, was aus den Nettetaler Literaturtagen werden würde. 5000 Programmhefte waren gedruckt, ein Teil davon bereits an die Mitglieder des Vereins verschickt. Die Reservierungen deuteten darauf hin, dass das Programm angenommen wird und wahrscheinlich wieder alle Veranstaltungen ausverkauft sein werden.

Die meisten Künstler werden nächstes Jahr wieder dabei sein

Trotzdem hat sich der Vorstand des Vereins nach langen Diskussionen Ende Juni dazu entschlossen, die Nettetaler Literaturtage im September abzusagen. Die Corona-Maßnahmen wurden zwar in den vergangenen Wochen gelockert, aber aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln hätten höchstens 80 Personen in dem Spiegelzelt, in dem unter normalen Bedingungen zwischen 350 bis 400 Personen Platz gefunden hätten, Einlass gefunden.

Das ist zu wenig, um ein Festival dieser Größenordnung zu finanzieren. Außerdem lagen für verschiedene Veranstaltungen bereits weit mehr als 80 Reservierungsanfragen vor. Der Verein hätte die Plätze verlosen müssen. Das seien keine Bedingungen, unter denen ein Jubliäums-Literaturfestival stattfinden sollte. Deshalb die Absage.

Für die Veranstalter war aber klar, dass dies keine endgültige Absage sein würde, sondern dass es sich eher um eine Verschiebung der Literaturtage handelt. Deshalb wird ab sofort mit Hochdruck an einem neuen Programm gearbeitet. Mit dem Verleiher des Spiegelzeltes wurde ein neuer Termin vereinbart. Die Literaturtage im Spiegelzelt finden jetzt vom 10. bis 20. Juni 2021 statt. Auch die meisten Künstler und Künstlerinnen, die im September 2020 kommen wollten, werden im kommenden Jahr im Juni wieder dabei sein. Sogar Joachim Gauck hat seine Teilnahme bereits wieder zugesagt. So traurig die Absage ist, so zuversichtlich blicken die Organisatoren jetzt in die Zukunft.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dabei aber doch. Denn am 11. Juni des kommenden Jahres startet auch die ebenfalls verlegte Fußball-Europameisterschaft. Aber da sind sich die Organisatoren der Literaturtage sicher: „Literatur schlägt Fußball.“ Und da kann Ulrich Schmitter, der Leiter der Stadtbücherei, auch wieder ­lächeln.