Turnhalle: Streit eskaliert

Turnhalle: Streit eskaliert

Gezeter prägt die Diskussion im Ausschuss um die neue Doppelsporthalle an der Revansstraße in Kaldenkirchen. Für 100 000 Euro wird nun doch ein Aufzug eingebaut. Unklar sind die Gesamtkosten.

Kaldenkirchen. Ungelöst blieben etliche Fragen um die Finanzierung der neuen Doppelturnhalle an der Ravensstraße nach der peinlichen Sitzung des Ausschusses Nette-Betrieb am Dienstagabend. Hitzige Wortgefechte und niveauloses Gezeter prägten die Diskussion, die zeitweise an persönliche Beleidigungen grenzte.

Armin Schönfelder, Beigeordneter, zum Vorwurf von Politikern, der Aufzug sei gestrichen worden, ohne den Ausschuss zu informieren

Das Ende vom Lied: Die Finanzierung des behindertengerechten Aufzugs scheint gesichert, aber kaum einer blickt durch, wie es um die Gesamtfinanzierung der Halle und um Zahlungen des Fördervereins steht.

Der Gipfel waren die Schimpfkanonaden: „Das treibt einen in den Wahnsinn“, klagte Hajo Siemes (WIN) über die langatmige Debatte. Und „Blödsinn“ nannte er Ingo Heymanns (CDU) ausufernde Ausführungen. Das brachte ihm eine Rüge des Ausschussvorsitzenden Günter Werner (CDU) ein, der selbst kurz zuvor laut vernehmlich gezischt hatte: „So ein Quatsch!“. Kommentar Hans-Willy Troost (FDP): „Eine Schande!“

Und darum ging’s: Die Verwaltung bekam ihr Fett weg, weil sie, so die vielfache Kritik, eigenmächtig in der Hallenplanung den behindertenfreundlichen Aufzug gestrichen habe, ohne den Ausschuss zu informieren. Der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder: „Die politische Verantwortung übernimmt die Verwaltung.“

Auch auf öffentlichen Druck hin soll der Aufzug nun doch kommen. Als „grobe Zahl“ nannte Schönfelder Kosten von 100 000 Euro, dazu kämen die Auflagen des Brandschutzes. Der Ausschuss stimmte bei nur einer Gegenstimme zu, die Gesamtfinanzierung des Aufzugs nach dem endgültigen Kostenvoranschlag in einer Dringlichkeitsentscheidung schnell zu bewilligen. Auch für aktuell entstandene Mehrkosten — etwa bei der Überdachung — gab es ein Okay.

Die Gesamtkosten für die Halle freilich blieben im Dunkeln; Zahlen von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro wurden genannt, je nach Sichtweise. Auf die Kritik von Hans Overhage (ABK), dem Ausschuss lägen eben keine Angaben über die Gesamtfinanzierung vor, lenkte Harald Rothen vom Nette-Betrieb ein, das solle umgehend erfolgen.

Unklar blieb zudem, ob Zahlungen des Fördervereins Doppelturnhalle Kaldenkirchen eingeplant werden können. Er hatte eine Spende von 500 000 Euro zugesagt, woraufhin der Stadtrat 2008 dem Projekt zustimmte. Der Verein wollte, so teilte er schriftlich mit, auch Kosten etwa für Pflasterarbeiten übernehmen.

Laut Schönfelder sind jedoch bei der Stadt Zahlungen „noch nicht verbucht“, Versprechungen aus ehrenamtlichem Engagement seien „nicht einklagbar“. Fazit Hans-Willi Dröttboom (SPD): „Wenn das so weitergeht, dann gute Nacht!“

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