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Textilmuseum Scheune in Hinsbeck sucht ein besseres Quartier

„Scheune“ in Hinsbeck : Das Textilmuseum sucht eine neue Heimat

Die Scheune Alt Kämpken ist für das Textilmuseum zu klein geworden. Nun suchen Stadt, Kuratorium und Politik nach Alternativen in Hinsbeck.

Durch ihre Rede zum Haushalt brachte die SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Dyck das Hinsbecker Textilmuseum „Die Scheune“ erneut in Erinnerung: „Ein äußerst schwieriges Thema. Vieles von dem, was wir möchten, geht nicht, und vieles von dem, was gehen könnte, ist nicht ohne Probleme umzusetzen. Fest steht, der Standort Hinsbeck soll erhalten bleiben. Während dieses langwierigen, aber nötigen Prozesses der Entscheidungsfindung stirbt eingelagertes Museumsgut – meist Textil­exponate – einen langsamen Tod.“ Das sagte die Kulturausschussvorsitzende und Mitglied im Kuratorium der Stiftung im Stadtrat im Dezember.

Zurzeit ist die Textilscheune geschlossen. Erst am 26. April, zwei Wochen nach Ostern, beginnt dort das neue Jahresprogramm. Bereits 2017 hatte das Kuratorium der Stiftung den aus Lobberich stammenden Anrather Architekten Norbert Rennen damit beauftragt, mögliche neue Standorte fachlich zu prüfen. Die neue Leiterin Susanne Ciernioch, seit Juli 2018 bei der Stadt, hat die Problematik übernommen.

Susanne Ciernioch leitet das Textilmuseum. Foto: Susanne Ciernioch

Die Scheune aus dem 17. Jahrhundert ist viel zu klein, um die Sammlung der Stifter Walter und Hildegard Tillmann mit Exponaten aus der Geschichte der Textilarbeit am Niederrhein zu fassen. So ist ein Großteil an verschiedenen Stellen ausgelagert, wobei die Aufbewahrung besonders für Dokumente aus Papier und Stoff konservatorisch problematisch erscheint. Auch ist am Ort der Textilscheune zwar ein Nebengebäude vorhanden, die museumspädagogische Arbeit dort ist aber schwierig. Dabei ist der Ort Hombergen mit seiner Künstlerkolonie, ein Worpswede des Niederrheins, ein guter Museumsstandort.

Die Stadt finanziert das
Personal für die Textilscheune

Trotzdem wird der Standort für die Zukunft nicht zu halten sein. Für die Stiftung haben in erster Linie der Landschaftsverband Rheinland (LVR) sowie die Sparkasse Krefeld, die Stadt Nettetal und der Kreis Viersen, aber auch der Verband der Rheinischen Textilindustrie Geld aufgebracht. Die lang anhaltende Niedrigzinsphase macht es allerdings allen Stiftungen schwer, von ihren Erträgen zu leben. Die Stadt finanziert das Personal, sprich die Kunsthistorikerin Susanne Ciernioch, für die Textilscheune. Das Stifterehepaar Tillmann hat ihre riesengroße Sammlung eingebracht, mehrere Webstühle und Textilmaschinen. Auch Exponate zum Flachsanbau und zur Herstellung von Leinenstoffen gehören dazu.

Für die Stadt, so Renate Dyck, sei das eine wichtige Sache und schade, dass es nicht mehr Platz für die Sammlung gebe. Ein Großteil sei eingelagert, auf verschiedene Bauernhöfe und Gewerbehallen verteilt. Die Exponate in diesen Depots sind natürlich nicht museums- und fachgerecht gelagert. Diese Situation ist allen Beteiligten bekannt. Es hat auch schon vor zwei, drei Jahren eine Machbarkeitsstudie gegeben, aber bis heute ist wenig passiert. Es wurde ein Neubau gegenüber der Jugendherberge diskutiert, durch den Kletterwald ist dieser Standort vergeben. Auch die Modernisierung der Textilscheune würde sich schwierig gestalten, weil sie im Naturschutzgebiet liege.

Ein Bauernhof in Hinsbeck hätte nur gepachtet werden können, was nicht alle wollten. So ist man weiter auf der Suche nach einem passenden Objekt. Dabei soll der Standort in Hinsbeck bleiben, aber noch gebe es kein konkretes Objekt. Kuratorium und Kulturausschuss sprachen sich einhellig für eine zügige Lösung aus, so Dyck weiter. Der Stadt und der Politik seien keine Vorwürfe zu machen. Auch der LVR sei durchaus bereit, sich weiter zu engagieren.

Für die Geschichte der Stadt ist die Sammlung ein wichtiger Baustein: Schafwolle und der Flachsanbau bildeten die Grundlagen, die Nettetal im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum für die Samtweberei machten. Die Nettetaler selbst waren zwar nie auf Samt gebettet, aber die Nachfrage nach dem Luxusstoff brachte dem Ort einen bescheide­nen Wohlstand.