Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche verlässt Nettetal nach zwölf Jahren

Nettetal : Beigeordnete blickt zurück auf ihre Arbeit

Susanne Fritzsche ist als Technische Beigeordnete zur Stadt Viersen gewechselt.

Vor gut zwölf Jahren war in Nettetal eine ganze Menge zu tun, und genau das hat damals Susanne Fritzsches Interesse geweckt. „Es war klar: Da brennt’s, und genau das war reizvoll“, sagt die 56-Jährige. „Ich wollte was bewegen.“ Zum 31. Dezember ist sie aus dem Amt der Technischen Beigeordneten ausgeschieden, am Mittwoch, 2. Januar, beginnt sie ziemlich nahtlos in gleicher Funktion bei der Stadt Viersen.

Die gebürtige Kölnerin absolvierte ein Bauingenieur-Studium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Danach wechselte sie in den öffentlichen Dienst und war nach der Staatsprüfung zunächst in Neuss und Krefeld tätig. In der von Männern dominierten Technikwelt verschaffte sie sich Respekt und Anerkennung und wurde 1997 Leiterin des Planungsamtes bei der Stadt Krefeld. 2001 wechselte sie als Technische Beigeordnete nach Kempen, 2007 kam sie in gleicher Funktion nach Nettetal.

Fritzsche war die erste Chefin
in der Nettetaler Verwaltung

Mit Fritzsche stand erstmals in der Geschichte Nettetals eine Frau mit an der Spitze der Stadtverwaltung. Die Entscheidung für die damals 45-Jährige fiel im Januar 2007 in einer Findungskommission aus Vertretern aller Ratsfraktionen. Dort hatte sie sich deutlich gegen einen Bewerber aus Bayern durchgesetzt. „Frau Fritzsche besticht durch ihre hohe fachliche Qualifikation und Kompetenz, und sie ist eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit“, sagte Bürgermeister Christian Wagner (CDU) damals.

Fritzsche hatte sich nicht aktiv um den Posten beworben, sondern war von einem Personalberater gezielt angesprochen worden. Sie folgte auf den Technischen Beigeordneten Christian Schaudig, den der Rat im Jahr zuvor vorzeitig abberufen hatte. Zum Amtsantritt Fritzsches wurden dem Dezernat noch der Bereich Stadtentwicklung und der Nette-Betrieb hinzugefügt.

Fritzsche setzte in Nettetal zahlreiche Projekte um, darunter die Ludbachpassage und die Fußgängerzone Lobberich, Neu- und Umbauten bei den Feuerwehrhäusern, etliche Neubauten von Kindertagesstätten, Bahnumfeld Breyell und Petershof Leuth. „Sie hatten eine sehr erfolgreiche Zeit in Nettetal“, sagte Wagner bei der Verabschiedung im Rat.

Gerade an die Gestaltung des Lobbericher Kerns erinnert sich Fritzsche gerne. „Wir hatten die Möglichkeit, alle Aspekte selbst zu bearbeiten – Innenstadt, Abwasser, Parken, Bäume –, bevor wir die Entwurfsplanung an ein Planungsbüro abgegeben haben“, sagt sie. Ein weiteres Projekt, das ihr am Herzen liegt und dessen Anfänge sie noch aus ihrer Zeit in Krefeld kennt, ist der Radweg zwischen Horst aan de Maas in den Niederlanden und Krefeld, der auch durch Nettetaler Gebiet führt. Aktuell wird für eine Machbarkeitsstudie eine Trassenlänge von rund 55 Kilometern untersucht.

Zudem hat Fritzsche an der Unterbringung geflüchteter Menschen im Stadtgebiet Nettetals mitgewirkt. „Der Anruf des Bürgermeisters kam damals an einem Freitagnachmittag, als ich gerade im Freibad war“, erinnert sich die Technische Beigeordnete. „Von dort aus habe ich noch die ersten Handwerker angerufen.“ 200 Flüchtlinge musste die Stadt im Sommer 2015 plötzlich unterbringen. „So entstand am Caudebec-Ring 1 in Lobberich ein Massivbau, der später auch anders genutzt werden konnte“, sagt Fritzsche.

Ihren Wechsel nach Viersen begründet sie damit, nun etwas Neues sehen zu wollen: „Ich wünsche mir wieder mehr Zeit, kreativ zu sein, dann entstehen die besten Sachen“, erklärt Fritzsche. Den Vorschlag des Bürgermeisters, ihre Stelle „zunächst nicht“ wieder besetzen zu wollen, sieht sie kritisch. Sie sagt: „Es muss jemanden geben, der sehr tief in die Themen einsteigen kann, sonst wird es schwierig.“

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