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Schaag: Angst vor neuer Biogas-Anlage

Schaag: Angst vor neuer Biogas-Anlage

In Schaag soll erneuerbare Energie produziert werden. Die Anwohner fühlen sich übergangen.

Schaag. Entschieden sei noch nichts. Immer wieder hört Monika Mertineit dieses Mantra der Re-Energie Niederrhein AG. Doch wenn sie aus dem Fenster ihres Elternhauses in Schaag-Happelter blickt, bekommt sie von Tag zu Tag mehr Zweifel an den Beteuerungen des Unternehmens, das sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat.

Auf dem Nachbargrundstück, dem Gelände der Orchideenzucht Beeren, werden Erdarbeiten durchgeführt und Leitungen gelegt, so Mertineit. Und nun sei eine Halle aufgestellt worden. „Da läuft schon alles und man wird vorab nicht informiert“, regt sich die 51-Jährige auf.

Auf dem Grundstück soll eine Biogas-Anlage gebaut werden, die dritte in Nettetal. Offiziell hat die Anwohner darüber aber noch niemand informiert. Und Informationen sind für Mertineit beim Unternehmen und den Behörden nur mühsam zu bekommen. Fred Heyer, Ratsmitglied der Stadt Nettetal für die Grünen und Vorsitzender der Re-Energie, hält sich derzeit noch bedeckt. Doch er bestätigt: „Ja, wir planen dort den Bau einer Biogas-Anlage mit einer Leistung von 500 kw.“

Wie das Konzept genau aussieht oder was dort vergärt werden soll, sei noch unklar. „Die Rahmendaten müssen noch abgeklärt werden, erst dann werden wir auch die breite Öffentlichkeit informieren.“ Einen Punkt auf der Aufgabenliste hat Heyer bereits abgehakt: Mit dem Grundstücksbesitzer wurde ein Pachtvertrag abgeschlossen. Beim Kreis Viersen als genehmigungspflichtiger Behörde ist laut Sprecher Axel Küppers noch kein Antrag eingegangen.

Beruhigen kann Monika Mertineit das jedoch nicht: „Das ging alles unter der Hand ab. Wir haben nicht einmal die Chance, uns zu wehren.“ Am Montag ist von Re-Energie ein erster Info-Abend für die Anwohner angesetzt worden. Dann will die 51-Jährige vor allem eines: Fragen stellen. „Wer sagt uns denn, ob das alles sicher ist?“ Sie weiß von Störfällen und Unfällen in Biogas-Anlagen. Im niedersächsischen Zeven starben vier Menschen im Jahr 2005, weil ein hochgiftiges Gasgemisch frei geworden war. Und Mertineit quälen noch weitere Sorgen: „Werden die Grundstücke wertlos? Kann etwas ins Grundwasser sickern? Was ist mit dem Gestank?“ Fragen, auf die sie bald Antworten haben will.

Diese Antworten würden auch Nettetals Bürgermeister Christian Wagner interessieren. Ihm sei bekannt, dass „die Firma den Standort ins Auge gefasst hat“. Mit Skepsis betrachte er das Vorhaben. Und relativiert: „Es kommt auf das konkrete Konzept an. Erst wenn wir das kennen, können wir weitersehen.“

Wagner teilt die Bedenken der Kritiker von Biogas-Anlagen, die es verwerflich finden, Nahrungsmittel nur für diesen Zweck anzubauen. Besonders häufig geschehe das mit dem energiereichem Mais. Monokulturen seien die Folge. Denn für die Landwirte sei es meist gewinnbringender, Biogas-Anlagen zu beliefern, als Lauch oder Weizen anzubauen. Bauern, die Mais anliefern, oder eine blühende Wiese: Was Monika Mertineit sehen wird, wenn sie in ein, zwei Jahren aus dem Fenster guckt, weiß sie nicht. Weiß bisher niemand — offiziell.