1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Nettetal

Polizist aus Lobberich arbeitet am Hindukusch

Polizist aus Lobberich arbeitet am Hindukusch

Heiko Lammertz hilft bei der Polizei-Ausbildung.

Lobberich. Heiko Lammertz zieht es in die Ferne. „Ich freue mich darauf, aus dem normalen Alltag hinauszukommen und internationale Luft zu schnuppern“, sagt der 41-Jährige, der sich in Kürze in den Flieger setzt.

Allerdings führt die Reise nicht in ein exotisches Urlaubsland, sondern an den Hindukusch. Lammertz ist Polizist und wird im Rahmen der European Union Police Mission in Afghanistan Polizisten ausbilden. „Wir wollen helfen, demokratische Maßstäbe im dortigen Polizeiwesen zu implementieren“, beschreibt Lammertz seine Aufgabe.

Für den Lobbericher ist es bereits der zweite Auslandseinsatz: 1999, kurz nach dem Krieg, war er im Kosovo. „Damals war die Motivation vor allem Abenteuerlust“, erinnert sich Lammertz. „Ich habe dort viel Schlimmes gesehen. Aber die Kameradschaft und die Herausforderung des fremden Alltags haben mich fasziniert.“

Nach dieser Erfahrung wollte der gebürtige Viersener unbedingt wieder ins Ausland. Doch zehn Jahre lang kam immer etwas dazwischen: Hausbau, die beiden Söhne (5 und 8), Verpflichtungen als Knochenmarkspender.

Nun hat er die Gelegenheit, „aber wenn meine Familie nicht dahinter stünde, würde ich nicht nach Afghanistan gehen“, betont Lammertz. Seine Frau, ebenfalls Polizistin, habe glücklicherweise eine ähnliche Einstellung wie er zu den Gefahren, die der Auslandseinsatz mit sich bringt.

„Afghanistan ist sicher riskanter als Kosovo; dort waren wir kein Angriffsziel“, sagt Lammertz, der aus Sicherheitsgründen die genauen Eckdaten des mehrmonatigen Einsatzes verschweigen muss. Trotz des Risikos fühlt sich Lammertz gut vorbereitet: Sechs Wochen Seminar haben ihn auf die speziellen Gegebenheiten und kulturellen Besonderheiten an seinem Zielort vorbereitet. Er betont: „Wir kommen als Gäste ins Land und müssen nicht überall unseren europäischen Stempel aufdrücken.“

Über einen weiteren Unterschied zwischen den Einsätzen ist Lammertz wiederum ganz froh: „Damals konnte man einmal in der Woche kurz telefonieren, heute gibt es Skype.“ Übers Internet will er mit der Familie in Kontakt bleiben.

Trotzdem wird er den Alltag zu Hause, die Spaziergänge mit Retriever „Snorre“ und einen entspannten Feierabend vermissen. „Dafür werde ich Kollegen aus der ganzen Welt kennenlernen und etwas zum Aufbau der afghanischen Polizei beitragen“, sagt Lammertz. „Ich glaube, es lohnt sich.“ sobe