Noch keine Neubesetzung für Beigeordnetenstelle in Nettetal

Nettetal: Stadt will auf Beigeordneten verzichten

Der Bürgermeister will die Technische Beigeordnete nicht ersetzen. Die Politik aber ist skeptisch.

Ein Dreigestirn stand bisher an der Spitze der Nettetaler Stadtverwaltung: der Bürgermeister und zwei Beigeordnete. Das könnte sich bald ändern, denn nach dem Ausscheiden der Technischen Beigeordneten Susanne Fritzsche zum Jahresende soll auf Vorschlag der Verwaltung die Stelle erst einmal nicht neu ausgeschrieben werden. Bürgermeister Christian Wagner (CDU) plädierte dafür, stattdessen eine neue Struktur nach dem Motto „weniger Hierarchie und dezentralere Verantwortung“ zu schaffen. Doch im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss stieß er mit dem Vorschlag bei den Mitgliedern auf Skepsis.

Die Stadtverwaltung soll
neu strukturiert werden.

„Die Führungsstruktur der Verwaltung zu verbreitern“ entspreche dem Prinzip einer modernen Verwaltung, meinte Wagner. Soll heißen: Ein Führungsteam kompetenter Fachbereichsleiter soll unter der Leitung von Bürgermeister und Erstem Beigeordneten verantwortlich die Geschicke im Rathaus mitbestimmen; die Verwaltung soll neu strukturiert werden. Details waren in einem Arbeitspapier mit dem Titel „Moderne Verwaltungsentwicklung in Nettetal“ aufgelistet.

Die Politik fühlte sich dabei übergangen: „Eine wirkliche Diskussion hat nicht stattgefunden“, bemängelte Renate Dyck (SPD). Knackpunkt war ein Vorschlag, dem der Ausschuss nicht zustimmen mochte: „Eine Nachbesetzung der Stelle der Technischen Beigeordneten erfolgt zunächst nicht.“ Bekanntlich geht die jetzige Beigeordnete Susanne Fritzsche zum neuen Jahr als Baudezernentin zur Stadtverwaltung Viersen. Im Sommer war bereits der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder nach Wilhelmshaven gewechselt. Zu seinem Nachfolger wurde kürzlich Michael Rauterkus gewählt, der seine Stelle zum Januar 2019 antritt.

Diese Personalveränderungen nahm Wagner zum Anlass, für eine gänzlich neue Führungsstruktur im Rathaus zu werben. Schon bei Bekanntwerden von Fritzsches Weggang hatte er gegenüber unserer Zeitung gesagt, man sei personell gut aufgestellt. Fritzsches Wechsel biete die Chance, „mit einer breiter aufgestellten Führungscrew“ zu arbeiten. „Flache Hierarchie“ nannte der Bürgermeister seine Vorstellung der Verwaltungsleitung. Das kam in der Politik nicht gut an, Ausschussmitglieder stießen sich vor allem daran, dass offensichtlich in der Verwaltung schon mit Namen gehandelt werde.

Mehrere Bereiche sollen zu einer Organisationseinheit werden

So ist vorgesehen, dass künftig die Bereiche Schule, Kultur und Sport mit Senioren, Wohnen und Soziales sowie Kinder, Jugend und Familie als „gemeinsame Organisationseinheit geführt werden“ – mit einem bisherigen Bereichsleiter als neuem Fachbereichsleiter an der Spitze. Im Gespräch dafür soll auch eine Bereichsleiterin gewesen sein, weshalb Dyck Wagner fragte: „Gibt es eine glaubwürdige Erklärung, warum Sie einen Mann einer Frau vorziehen?“ Wagner blockte ab: „Solche Personaldebatten sollten nicht öffentlich geführt werden“, sagte er.

Das reichte Jürgen Boyxen (CDU) nicht: „Es bleibt ein Unbehagen bei solchen Personalentscheidungen.“ Ähnlich äußerte sich Guido Gahlings (Grüne): „Das sind doch sehr unglückliche Vorschläge.“ Ihren Unmut über das Skript, das dem Ausschuss vorgelegt wurde, fasste Dyck so zusammen: „Was die Glaubwürdigkeit anbelangt, ist es das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist.“ Gerade wegen so wichtiger Projekte wie beispielsweise die Sanierung Werner-Jaeger-Halle brauche man eine Neubesetzung der Stelle der Technischen Beigeordneten. Weil alle Fraktionen „noch Beratungsbedarf haben“ (Boyxen), entschied der Ausschuss einstimmig, eine Entscheidung über die neue Verwaltungsstruktur dem Rat zu überlassen. Der tagt am 18. Dezember.

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