Neues aus dem Widerstand

Volker Pispers begeistert in der Werner-Jaeger-Halle. Politiker, Kirche und Wirtschaftsexperten nimmt er ins Visier.

Lobberich. „Bis neulich“ heißen seit Jahren die Programme von Volker Pispers. Wer daraus ableitet, der Düsseldorfer sei nicht auf dem neuesten Stand, irrt. In der ausverkauften Werner-Jaeger-Halle geißelte Pispers all diejenigen, die er himmelschreiender Ungerechtigkeiten verdächtigt.

Das sind zum Beispiel alle Parteien mit Ausnahme der Linken, die katholische Kirche und Wirtschaftsexperten. Er träumt wohl von der „Zeit nach dem Kapitalismus“ und gab den Zuschauern den Tipp, die Eintrittskarte aufzubewahren: „Damit Sie später sagen können, Sie seien im Widerstand gewesen.“

Der Mann macht knallhartes politisches Kabarett. Er ist mit seiner Kritik nicht zimperlich und oft hat man das Gefühl, sein Blutdruck steigt in ungesunde Höhen. Anders ausgedrückt: Ihm fehlt eine gewisse Gelassenheit.

„Die FDP ist raus aus dem Bundestag — dass ich das noch erleben durfte. Wenn sich jetzt noch die katholische Kirche auflöst — wir wollen jetzt nicht übermütig werden“: Pispers Humor ist rabenschwarz.

Er kam damit in Lobberich sehr gut an — vielleicht gerade weil er kein Blatt vor den Mund nahm. So haben Beschäftigte bei Leiharbeitsfirmen „keinen Arbeitgeber, sondern einen Zuhälter“. Religion ist für ihn etwas „für Leute, die keinen Alkohol vertragen“.

Überall vermutet er Manipulationen und Verschwörungen: „Sie glauben nicht im Ernst, dass es in den Zeitungen objektive Berichterstattung gibt.“ Was er von Wirtschaftsexperten hält? Natürlich gar nichts. Bei Pispers hört sich das so an: „Da sind die Lebewesen in Ihrem Duschvorhang noch intelligenter.“

In dem sehr intensiven Zweieinhalb-Stunden-Programm bekam auch der US-amerikanische Präsident Barack Obama sein Fett weg: Als Mann, der Drohnenangriffe befehligt und Menschen auf Guantanamo festhält.

Als die USA so gut wie pleite waren, änderte sich in dem Gefangenenlager nichts: „Dafür hatten die wohl noch einen Notgroschen.“ Pispers versteht es, sein Publikum zum Lachen zu bringen. Wenn die Bauchmuskeln nicht mehr schmerzen, setzt die Nachdenklichkeit ein.

Ist der gebürtige Rheydter einseitig? Indizien dafür gibt es viele: „Vollpfosten“ sitzen für ihn überall, nur nicht in den Fluren der Arbeitsagenturen. Und Mursi in Ägypten ist für ihn ein demokratisch gewählter Präsident. Vor den deutschen Politikern hat er weit weniger Respekt.