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Nettetal: Sophie Brüning ist neue Leiterin des Infozentrums

Naturschutz in Nettetal : Krickenbecker Seen: Neue Leitung für das Infozentrum

Sophie Brüning betreut als Nachfolgerin von Isabelle Lorenz seit einem Monat das Infozentrum Krickenbecker Seen.

Unendliche Weiten: „Der Blick geht bis zum Horizont, man sieht die Sonne überm Feld untergehen, das gefällt mir“, schildert Sophie Brüning ihren ersten Eindruck vom Niederrhein. Für den Ausblick in die Ferne freilich bleibt ihr nicht viel Freizeit, betreut sie doch seit dem 1. Juli das Infozentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen: „Das ist eine Mammutaufgabe“, beschreibt Ansgar Reichmann, Chef der Biologischen Station, das Arbeitsfeld seiner neuen Kollegin.

Viele Ausflügler lockt das Infozentrum an diesem warmen Sommermorgen an. Sie betrachten, Corona-bedingt natürlich mit Mund-Nasen-Schutz, die Ausstellungen und das Infomaterial. „Das Interesse an der Natur ist durchaus groß“, weiß Brüning. Doch über die Wechselbeziehung von Mensch und Natur, da gebe es noch allerhand aufzuklären: „Wir machen uns oft zu wenig Gedanken darüber, wie unser Verhalten im Alltag das Ökosystem beeinflussen kann.“

Brüning ist ein Sonnenkind, während andere mit zunehmender Hitze den Schatten suchen, sitzt sie im gleißenden Licht auf einer Bank vorm Infozentrum, beantwortet geduldig die Fragen zu ihrer Arbeit, zu ihrer Person. Aus Berlin stammt sie, hat Mediengestaltung in Weimar studiert, in verschiedenen Branchen gearbeitet – und ist nun von Jena in Thüringen an den flachen Niederrhein gezogen. „Das ist eine richtig sinnvolle Aufgabe hier, für die Natur was zu tun, das treibt mich an“, sagt sie. Was keine Floskel ist: „Ich lebe auch bewusst danach, hinterfrage viel.“

Lob für Vorgängerin
Isabelle Lorenz

Die 34-Jährige, in ihrer Freizeit sportlich aktiv, legt viel Ernsthaftigkeit in ihre Lebens- und Arbeitseinstellung. In der Ernährung ist sie vegan, der Schutz von Natur und Klima sind ihr Lebensprinzip: „Wir sind alle Teil des Systems, wenn etwas nicht passt, gerät vieles aus den Fugen“, erklärt sie. Wenn etwa durch schädliche Umwelteinflüsse Insektenarten aussterben, sei die Nahrungskette der Tierwelt unterbrochen, die Natur insgesamt kranke an solchen Veränderungen. Darüber informiert sie nicht nur, sondern das macht ihr regelrecht zu schaffen: Schon als Kind habe sie gelitten, wenn über aussterbende Tierarten berichtet wurde.

Entscheidend sei der Faktor Mensch: „Manche Leute genießen die Natur, sitzen auf der Bank hier am See und schnipsen gedankenlos ihre Zigarettenkippen weg“, sagt Brüning. Wenn sie dann höflich aufkläre über Schadstoffe in den Kippen, stoße sie oft auf Unverständnis: „Handeln wider besseres Wissen, das verstehe ich nicht.“ So sei beispielsweise bekannt, dass Fische Schmerzempfinden haben. Oder dass Rabenvögel intelligent und nützlich seien – und deshalb schützenswert. „Gelehrige Tiere, die Werkzeuge benutzen, Dohlen etwa, imponieren mir.“ Gerade habe sie mit Staunen ein Buch über die Intelligenz des Oktopus gelesen.

Im Infozentrum informieren und aufklären, das ist nun ihr Job: Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen organisieren, Projekte betreuen, die Freiwilligendienste koordinieren, Verwaltungsarbeit prägen seit Juli ihren Alltag. Sie übernahm die Stelle ihrer Vorgängerin Isabelle Lorenz, die „sechs Jahre hervorragende Arbeit geleistet“ habe, so Reichmann: „Deshalb sind wir gut aufgestellt.“ Von Sophie Brüning erhoffe man sich Kontinuität, aber langfristig auch Weiterentwicklung etwa des Internetauftritts und im Bereich Social Media. Brüning lächelt: „Darauf freue ich mich, darin hab ich ja Erfahrung.“