Umstrittenes Projekt in Nettetal Noch in diesem Jahr Probebetrieb im Wertstoffzentrum

Nettetal · Auf der Baustelle des Wertstoff- und Logistikzentrums im Gewerbegebiet Nettetal-West geht es inzwischen voran. Der Betrieb soll einige neue Arbeitsplätze bringen. Ein Starttermin ist auch schon im Visier.

 Spitz ragten noch vor kurzer Zeit die Pfeiler der Umschlaghalle des WLZ in den Himmel. Nun erkennt man bereits das schräger Dach der Halle.

Spitz ragten noch vor kurzer Zeit die Pfeiler der Umschlaghalle des WLZ in den Himmel. Nun erkennt man bereits das schräger Dach der Halle.

Foto: Uli Rentzsch

Jeden Tag sehe es ein Stück weit anders aus: Christian Böker, Leiter des Abfallbetriebes des Kreises Viersen (ABV), informierte die Mitglieder des Betriebsausschusses des Kreises Viersen über den Baufortschritt des Wertstoff- und Logistikzentrums (WLZ) in Kaldenkirchen. Noch im Oktober 2023 war das Gelände für den Hochbau vorbereitet worden, seitdem sind die Veränderung deutlich erkennbar. Besonders die Seitenpfeiler der Umschlaghalle ragen wie Spieße in den Himmel. Inzwischen sind auch die Arbeitsbereiche für den Biofilter und für die Grünanlagen ausgeschrieben worden. Lediglich die Arbeiten für die Grünanlagen müssen noch an eine Firma vergeben werden.

Böker präsentierte zudem Fotos von der Regenrückhaltungsanlage, „ein Bereich, den man später so nicht mehr zu sehen bekommt“. Dreierlei: Das Dachregenwasser könne der Versickerung zugeführt werden, sonstiges Flächenwasser gesammelt und nach Lage gedrosselt in die Kanalisation geleitet werden. Schließlich stehe im Brandfall sofort Löschwasser zur Verfügung.

Mit dem Bau des WLZ werden „etwa ein Dutzend neue Stellen“ geschaffen, sagte Christian Böker. Zum Teil seien schon Einstellungen erfolgt, weitere soll es in nächster Zeit geben: „So können wir gewährleisten, dass wir im Zeitraum November bis Dezember einen Probebetrieb starten können.“ Ebenfalls für das zweite Halbjahr werde die Betriebsorganisation anvisiert: EDV, Brandschutz, Arbeitssicherheit und entsprechende Versicherungen.

Im Gewerbegebiet Nettetal-West an der Zillessen-Allee hatten die Arbeiten im Dezember 2013 begonnen. Ehe sich die Mitarbeiter der Firma Sanders GmbH & Co. KG aus Schwalmtal mit dem Tiefbau beschäftigen konnten, war es ein langer Weg: Zwar wurde die Genehmigung für das Logistikzentrum von der Bezirksregierung Düsseldorf bereits im Jahr 2011 erteilt, für das Wertstoffzentrum folgte die Genehmigung erst im September 2023. Ab Anfang Januar 2025 sollen dann die von den Müllfahrzeugen gesammelten Haushaltsabfälle aus dem Kreis Viersen in Kaldenkirchen umgeschlagen werden. Von dort aus werden die Abfälle auf größere Lastwagen verladen und schließlich zu den jeweiligen Entsorgungsanlagen gebracht.

Bürger können zudem ihren Müll in gesonderten Abfallsorten abgeben: Holz, Plastik, Papier und Kartonage, Elektrokleingeräte und vieles mehr. Zudem sollen weitere Räume gebaut werden, die für Bildungsveranstaltung zum Thema Abfall genutzt werden können. Landrat Andreas Coenen nennt das gesamte Projekt richtungsweisend, ähnlich wie die Bioabfall-Behandlungsanlage in Kamp-Lintfort, die der Kreis Viersen gemeinsam mit dem Kreis Wesel errichtet hatte.

Zunächst hieß es, das WLZ solle im Jahr 2023 an den Start gehen. Die Inbetriebnahme wurde dann ins Jahr 2024 verschoben, jetzt sollen zu Beginn des kommenden Jahres erstmalig die Türen geöffnet werden. Wertstoffhof ja oder nein – auch die Beantwortung dieser Frage beanspruchte Zeit. Mit „internen Planänderungen“ hatte damals der Kreis Viersen die Verzögerung der Inbetriebnahme auf 2024 begründet, über 2024 hinaus sei sie der veränderten gesamtwirtschaftlichen Lage, insbesondere im Bausektor aufgrund des Ukraine-Krieges, geschuldet.

Lange Zeit hatten sich vornehmlich Bürger aus Kaldenkirchen gegen den Bau des Wertstoff- und Logistikzentrums gewehrt. Die Diskussionen wurden in der Bürgerinitiative „Venete – so nicht“ gebündelt, rund 6.000 Unterschriften gegen das WLZ wurden gesammelt. Nicht zu vermeiden war, dass die Debatte auch die Nettetaler Politik erhitzte. Noch ist die Bürgerinitiative in den sozialen Medien aktiv, zählt aktuell über 1.700 Mitglieder beispielsweise bei Facebook. Der zuletzt getätigte Eintrag zur Sache Abfallentsorgung datiert vom 15. Januar dieses Jahres und kommentiert die Vereinbarungen einiger Kommunen mit dem Kreis Viersen zur Übernahme verschiedenster Aufgaben im Bereich Abfallentsorgung.