Kulturzentrum in Nettetal-Kaldenkirchen Beliebte Reihen und neue Formate im Kulturzentrum „Alte Fabrik“

Nettetal-Kaldenkirchen · Bewährte Formate beibehalten, Neues ausprobieren, langsam wachsen: Das will Nicole Terstappen mit dem „Kulturzentrum Alte Fabrik“.

 Mit neuen Ideen für das Kulturzentrum Alte Fabrik startet Nicole Terstappen in das Jahr 2024. Neben bewährten Reihen soll es neue Angebote geben.

Mit neuen Ideen für das Kulturzentrum Alte Fabrik startet Nicole Terstappen in das Jahr 2024. Neben bewährten Reihen soll es neue Angebote geben.

Foto: Melanie Zanin

Es ist ruhig bei Nicole Terstappen im Kulturzentum „Alte Fabrik“. Noch. Lebendig wird es, wenn 45 Ältere, mit und ohne Rollator, aus dem nahen Seniorenheim kommen. „Wie viele es tatsächlich werden, weiß ich vorher nicht“, meint die Gastgeberin. Das hinge davon ab, wie sich jeder an diesem Tag fühle, ob ein Besuch passe. Auf ein Käffchen hat Terstappen die Nachbarn eingeladen – sie freut sich darauf, gute Nachbarschaft ist ihr wichtig rund um die Venloer Straße 38. Denn bei Konzerten könne es etwas lauter werden.

Konzerte

Mehr Betrieb in der früheren Matratzen- und Polsterfabrik lässt nicht mehr lange auf sich warten. Los geht das Jahresprogramm, das Nicole Terstappen schon mit einigen Terminen bis Mai geplant hat, am Freitag, 19. Januar, 20.30 Uhr. Zum ersten Konzert haben sich Schuppenband und Freunde angesagt. Für Gastgeberin Terstappen wird wohl, passend zum Tag, ein Geburtstags-Titel dabei sein. Verstärkt durch Sängerin Heidi Knierim und Gitarrist Wally de Waal geht es auf eine musikalische Reise zu The Doors, Rolling Stones, David Bowie, Amy Winehouse, Peter Tosh oder Lou Reed.

Die „Alte Fabrik“ bietet viele Veranstaltungen an - von der Lesung über Konzerte bis hin zu Ausstellungen. Dort kann man auch heiraten.

Die „Alte Fabrik“ bietet viele Veranstaltungen an - von der Lesung über Konzerte bis hin zu Ausstellungen. Dort kann man auch heiraten.

Foto: R, Horstmann/R. Horstmann

Ist es schwer, Musiker zu verpflichten? „Nein“, sagt Terstappen. 45 Konzerte hat sie im vergangenen Jahr organisiert – quer durch alle Genres. Ihre Erfahrung: „Es gibt immer weniger Veranstaltungsorte. Die Bands suchen nach Auftrittsmöglichkeiten.“ Weite Anreisen seien da keine Seltenheit. Recht nah haben es etwa Diversity aus Düsseldorf; das Quartett kommt am 17. Februar, bringt Rock, Jazz, Blues, Funk und Latin mit (Vorverkauf: zwölf Euro, Abendkasse 15 Euro).

Für Donnerstag, 14. März hat sich Sänger und Songwriter Andreas Schleicher angesagt; er arbeitet seit sieben Staffeln als Vocalcoach bei der Show „The Masked Singer“. Begleitet wird er von Jörg Hamers (Schlagzeug, Bass, Gesang). Karten gibt es im Vorverkauf für 17 Euro, an der Abendkasse für 20 Euro.

Zwei neue Formate

Am Freitag, 26. Januar, gibt es den ersten „Boom-Room“ mit DJ Christera und Jost B. Damit wolle sie ein jüngeres Publikum erreichen. Aufgelegt werde etwa House. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt; Tickets kosten im Vorverkauf zwölf, an der Abendkasse 15 Euro. Ebenfalls neu ist das Format „F*up-Night“ am 26. Februar. Besucher können erleben, „wie spannend Scheitern ist und wie man daraus lernen kann“, schildert Terstappen. Der Ablauf: eine Stunde Networking, vier Unternehmen, etwa aus der IT- oder Logistikbranche, erzählen in 25 Minuten ihre Geschichte, beantworten Fragen aus dem Publikum. Danach rundet eine After-Show-Party mit DJ den Abend ab. Der Eintritt ist frei.

Kino

Am Herzen liegen ihr etwa Jazzkonzerte und die Kino-Abende. Bei der Auswahl der Filme unterstützt sie Gerd Wagner, der Erfinder des „Sommerkinos“. Zu sehen seien oft prämierte Filme, weniger Mainstream oder alte Streifen, etwa über Frauen in der Kunst wie Hildegard Knef. Als weiteres Beispiel nennt Terstappen „Triangle of sadness“. Auch mit Jazzkonzerten bediene sie eher eine Nische. Große Umsätze mache sie mit solchen Veranstaltungen nicht. „Aber wenn 45 Menschen kommen und einen tollen Abend verbringen, dann hat sich das gelohnt“, sagt Terstappen.

Kitsch und Liebe

Ein Einhorn im Café, ein Hirsch in der Halle, daneben Lara Croft, unzählige Bilder, auch in Kooperation mit der Stadt, Bilder aus der früheren Möbelproduktion, Stühle und Sessel aus der Fabrik und Kitsch: Wer Nicole Terstappen besucht, hat viel zu schauen. „Manche kommen regelmäßig nur zum Gucken vorbei“, erzählt sie. Viele Gegenstände würden ihr vorbeigebracht, manchen könne sie selbst nicht widerstehen. Gerade zurückgekehrt ist sie aus der Eifel, hat dort bei Waldi („Bares für Rares“) für die Fabrik einen Weihwasserspender mitgebracht. „Es ist hier ein Kuddelmuddel“, sagt sie und sieht dabei sehr zufrieden aus. Was wenig bekannt sei: „Dass man hier auch heiraten kann“, erzählt Nicole Terstappen. Die Fabrik sei als Trauort gelistet; einmal habe bereits eine Hochzeit stattgefunden.

Kulturzentrum

Aus der väterlichen Fabrik ein Kulturzentrum zu machen: Diese Idee hat Terstappen über Jahre verfolgt. Sie führt in der oberen Etage ihre Zeichenschule, arbeitet gleichzeitig ohne Angestellte daran, ein Kulturzentrum aufzubauen mit vielen kulturellen Angeboten – vom Kinoabend über die Lesung bis zu zu Konzerten und Tanz. Kaum eine Veranstaltungsart, die es im vergangenen Jahr nicht bei ihr gegeben habe. Es sei ein stetes Ausprobieren, ihr sei wichtig, dass die „Alte Fabrik“ langsam wachse. Dazu gehöre auch, dass die Räume mit ihren vielfältigen Möglichkeiten bekannter werden.

Events

Nicole Terstappen setzt auf Mischkalkulation, will möglichst viel Kultur bieten. Es gebe nicht nur Veranstaltungen, die sich tragen. Für Events aller Art vermietet sie ihre ungewöhnlich eingerichteten Räume, komplett oder teilweise. Firmenveranstaltungen seien dort ebenso möglich wie (Büro-)Arbeit, Yoga oder Feiern zu Geburtstagen, Kommunion oder Jubiläen im Café oder in der Halle.