Ausstellung in Nettetal Hein Dormels, der Bäcker mit den 25.600 Dias

Nettetal-Hinsbeck · Stau im Dorf, Vereinsfeiern, Empfänge, Menschen – der Hinsbecker Hein Dormels hat den Alltag seiner Mitmenschen über viele Jahre mit der Kamera festgehalten und auch historische Fotos bewahrt. Das Heimatmuseum zeigt über 100.

Der Empfang von Graf Josef von Schaesberg und seiner Gemahlin Ghislaine Gräfin de Berlaymont auf Schloss Krickenbeck 1913 nach der Heirat.

Der Empfang von Graf Josef von Schaesberg und seiner Gemahlin Ghislaine Gräfin de Berlaymont auf Schloss Krickenbeck 1913 nach der Heirat.

Foto: Hein Dormels

Von Beruf war Hein Dormels Bäcker. Doch der Hinsbecker hatte noch eine zweite Berufung: fotografieren. Im Laufe seines Lebens kamen so mehr als 25.000 Dias zusammen. Eine Auswahl daraus ist in diesem Jahr in Großformaten im Hinsbecker Heimatmuseum zu sehen.

Dormels hielt, mit Schwerpunkt zwischen 1976 und 1990, das Geschehen in Hinsbeck fotografisch fest. Auf seinen Bildern sind auch viele längst verschwundene Gebäude und verstorbene Personen zu sehen. Aus diesem Fundus hat das Team des Dorfmuseums mehr als 100 Bilder ausgesucht, die einen Querschnitt des Lebens in Hinsbeck zeigen.

Ausgangspunkt sind Bilder der Frühzeit von 1900 bis 1950 mit alten Ansichten Hinsbecks und des Ortskerns, die Dormels abfotografierte. Gott sei Dank, denn oftmals sind diese im Original nicht mehr vorhanden. Dazu gehört ein Gruppenbild der Belegschaft der Geschossdreherei Heyer im Kriegsjahr 1918, eine Aufnahme vom Empfang des Grafen Heinrich von Schaesberg auf Schloss Krickenbeck nach seiner Hochzeit 1913 oder von der Beisetzung von Pfarrer Ansems 1919 unter Beteiligung des belgischen Besatzungsoffiziers.

Der größte Teil der im Heimatmuseum gezeigten Bilder stammt aus der Zeit zwischen 1976 und 1990. Dargestellt sind zum Beispiel Handwerker und Geschäftsleute, Künstler und andere Einwohner, kirchliche und profane Gebäude, Besucher des Kreiswandertags und Vereinsfeiern. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Bau der Umgehungsstraße 1981/82, damals als Umgehung geplant, heute mitten durch den Ort verlaufend. Zu dieser Zeit führte die einzige Verbindung von Lobberich und Grefrath nach Kaldenkirchen und in die Niederlande durch die Hinsbecker Schloßstraße, die so schmal war, dass bei Lastwagenverkehr selbst Fußgänger nicht hindurch kamen.

Dies wird durch Fotos der damaligen Straßenführung „Am Engel“ und des Rückstaus dokumentiert, der in den Sommermonaten oft bis zu den Krickenbecker Seen reichte. Hinzu kommen Fotos vom Bau der Umgehungsstraße durch die Ginkesweide sowie dem Abbruch von Gebäuden im Ort, etwa dem Haus vor der Rollbrock’schen Fabrik und an der Johannesstraße, wo die Abtrennung einer Hälfte des Doppelhauses Kall per Bagger dokumentiert ist.

Hein Dormels (1921-1998) war nicht nur als Fotograf unterwegs, er war auch in vielen Vereinen aktiv. So trat er schon in den 1950-er Jahren im Hinsbecker Karneval auf, war Mitgründer des Karnevals der Nachbarschaft Untere Schloßstraße. Später unterstützte er viele Hinsbecker Karnevalisten bei ihren Auftritten. Sein Einsatz galt dem Kirchenchor und auch dem Parkstübchen.

Auch bei „Hänsbäcker Jüüte vertälle“, wo seine Auftritte als „Hänsbäcker Jüüt“ unvergessen sind, war er einer der Aktivsten. Der VVV Hinsbeck ehrte ihn 1983 mit der Jüütenmedaille in Gold, die Stadt Nettetal 1987 mit dem Nettetaler in Bronze. Wie anerkannt Dormels war, zeigte sich 1988, als ihm als Zweitem die höchste Hinsbecker Auszeichnung, der Jüütenring, verliehen wurde.

Sein Heimatort Hinsbeck bedeutete Hein Dormels sehr viel, ihm widmete er einen großen Teil seiner Zeit. Schon in den 1950-er Jahren begann er, die Geschehnisse im Ort im Bild festzuhalten. Zunächst mehr in den Vereinen, in denen er selbst aktiv war, insbesondere im Kirchenchor und im Karneval. 1976 begann er dann intensiv damit, den Stadtteil Hinsbeck, seine Bewohner, die Landschaft, die Gebäude und besonderen Ereignisse im Bild festzuhalten. Als er Anfang der 1990-er Jahre wegen Krankheit kürzert reten musste, umfasste sein Archiv rund 25.600 Dias.

Die Fotos haben die Erben dem VVV Hinsbeck zur Verfügung gestellt, der sie 2018 digitalisieren ließ. Momentan werden diese von einer Gruppe um den Sohn Arnold Dormels begutachtet und die dargestellten Veranstaltungen sowie die Namen der darauf abgebildeten Personen ermittelt. Nach diesen Recherchen wird der VVV die den Ort Hinsbeck betreffenden Bilder im Internet veröffentlichen.

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