Wanderung entlang der Nette Experte lüftet Biber-Geheimnisse

Nettetal-Leuth · Mit Niederrhein-Guide Wilfried Küsters konnte man im Naturpark Schwalm-Nette auf Bibertour gehen. Dabei fanden die Teilnehmer einige Spuren. Der Biber hat in Nettetal bereits für Überschwemmungen gesorgt.

Wilfried Küsters zeigte bei der Biber-Wanderung im Naturpark Schwalm-Nette einen Biberdamm.

Wilfried Küsters zeigte bei der Biber-Wanderung im Naturpark Schwalm-Nette einen Biberdamm.

Foto: Bianca Treffer

Aufbruchstimmung am Wanderparkplatz neben der Leuther Mühle. 19 Menschen, vom Kind bis zum Senior, alle warm verpackt sowie mit Wanderschuhen oder Gummistiefeln ausgerüstet, haben sich um Wilfried Küsters versammelt. „Wo kann man ein Biberrevier erwarten?“ Mit dieser Frage startet der Niederrhein-Guide eine nicht-alltägliche Wandertour.

Zum Programm des Naturparks Schwalm-Nette gehört eine Wanderung auf den Spuren des Bibers entlang von Nette und De Wittsee. Während die Teilnehmer auf ein ruhiges Naturschutzgebiet tippen und in Richtung der Krickenbecker Seen blicken, die auf der anderen Straßenseite liegen, schüttelt Küsters verneinend den Kopf.

„Hier“, lautet seine Antwort. Den Beweis liefert er sofort. Am Entwässerungsgraben, der zur Nette geht und der direkt neben dem Parkplatz liegt, kann Küsters einen Biberdamm zeigen. Biberspuren sind an einem Baum zu sehen. „Der Biber hat den Wasserspiegel durch seinen Damm rund um einen halben Meter angehoben“, informiert der Niederrhein-Guide.

Was den Teilnehmern auffällt: wie klar das Wasser aus dem Damm heraussprudelt. Durch den Damm hat der Biber eine Art Filter eingebracht. Schwebstoffe sinken ab und die Wasserqualität verbessert sich.

Die Gruppe nimmt den vom Parkplatz abgehenden Wanderweg. Im rechts liegenden Bruchwald macht Küsters auf weitere Biberfraßspuren aufmerksam. „Wenn der Biber die Rinde von einem Baum abfrisst, spricht man vom Ringeln. Er möchte an den Saft herankommen, der für ihn wie ein Energiedrink ist“, erläutert Wilfried Küsters. Im Herbst führt der Baum Zucker und Mineralien aus den Blättern in die Wurzeln zurück. Ab Ende Dezember gehen die Mineralien dann wieder in die Blätter, um dort Knospen austreiben zu lassen.

Gerade in den Raunächten, die von Weihnachten bis zu den Heiligen Drei Königen gehen, wächst an Ufern und im Wasser nicht mehr viel. Der Biber geht dann vermehrt an Bäume heran. Dort will er an Zucker und Mineralien gelangen, die in den Baumadern unter der Rinde nach oben ins Geäst transportiert werden. Damit ernährt er sich.

An Spuren mangelt es so nicht. Küsters berichtet, dass der Biber nachhaltig arbeitet und sein eigenes Revier nicht kahl frisst. „Sonst müsste er mit der ganzen Familie umziehen und das möchte er nicht“, erläutert der Fachmann.

In einer Biberburg befänden sich nicht nur die Jungtiere eines jeweiligen Wurfes, sondern auch der einjährige Nachwuchs. Die zweijährigen Tiere müssten die Burg verlassen und sich ein eigenes Revier suchen. Das sei oft nicht einfach, weil geeignete Stellen fehlen.

Die Gruppe wandert weiter über die Hauptstraße an der Leuther Mühle, um auf einen schmalen Weg zwischen der Nette und den Koppeln einzubiegen. „Hier rechts stand im neunten und zehnten Jahrhundert einst die alte Motte Krickenbeck“, sagt Küsters und deutet auf eine Erhebung auf der Wiesenfläche.

Auf den großen Pfützen der Wiesen sind kanadische Wildgänse zu sehen. Stockenten dümpeln über die Nette und auf den Ästen, die über das Wasser ragen, sitzen Kormorane. Als rechts die Krickenbecker Seen mit ihren Schilfgürteln auftauchen, sind auch Grau- und Seidenreiher auszumachen. Wie ausgestopft erscheinen sie, als sie unbeweglich in dem Röhricht stehen.

Immer wieder macht Küsters auf die Fraßspuren von Bibern aufmerksam und zeigt Biberrutschen, wie die kahlen Stellen am Flussufer genannt werden. Diese nutzt der Biber, um von Land ins Wasser zu kommen. Am Aussichtsturm des Rohrdommel-Projektes gibt es einen kurzen Stopp. Weiter geht es entlang des De Wittsees über den Bahnradweg.

Dort gibt es ein überraschendes Picknick mit Kräutertee, Birkenwasser, Früchten, Nüssen und Käse; dann geht es weiter zum NABU Naturschutzhof Sassenfeld und zurück zum Ausgangspunkt. Auch wenn kein Biber zu sehen war: Die Tour auf seinen Spuren war
interessant.

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