Biologische Station in Nettetal 2024 ist Volkszählung bei den Libellen

Nettetal-Hinsbeck · Von 74 in NRW nachgewiesenen Arten sind 62 im Kreis Viersen anzutreffen. Die Biologische Station in Hinsbeck überwacht die Bestände und hilft den Tieren. Denn neben Fressfeinden macht ihnen der Mensch das Leben schwer.

Eine Feuerlibelle, von Biologen auch Crocothemis erythraea genannt.

Eine Feuerlibelle, von Biologen auch Crocothemis erythraea genannt.

Foto: Biologische Station Krickenbecker Seen/Monika Hertel

Alle drei Jahre startet in ausgewählten Naturschutzgebieten, die von der Biologischen Station Krickenbecker Seen betreut werden, ein spezielles Monitoring. Es geht dabei um die Libellen. „Die Naturschutzgebiete im Kreis Viersen haben eine hohe Bedeutung für die Libellen“, sagt Stefani Pleines, Biologin in Station an den Krickenbecker Seen. Nicht nur dass in den Gebieten vier der EU-weit geschützten Libellenarten heimisch sind, darunter auch die Große Moorjungfer. Von den 74 in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Arten sind gleich 62 im Kreis Viersen anzutreffen, wie man dank des regelmäßigen Monitorings weiß. Die meisten Flächen im Kreis sind daher als europäische Schutzgebiete wie beispielsweise über die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie besonders geschützt.

Für die Schutzgebiete gibt es eine kontinuierliche Berichterstattung, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Dabei wird auch geschaut, wie die Libellen auf Entwicklungsmaßnahmen in den Naturschutzgebieten reagieren, die von der Biologischen Station durchgeführt werden. Dazu gehörte unter anderem das Anlegen mehrerer Kleingewässer. Das wiederum führt zu einer besseren Vernetzung zwischen den einzelnen Teichen, die den Tieren ansonsten einen isolierten Lebensraum bieten würden.

Seltene Libellenarten brauchen nährstoffarmes Wasser ohne Fischbesatz und ohne Neozooen, also gebietsfremde Tierarten. Gerade der Sonnenbarsch und der Blaubandbärbling fressen Larven der Libellen auf. Ausgesetzte Schildkröten und Krebse machen den Larven ebenfalls den Garaus. „Welche Folgen es hat, wenn ein Bürger solche Tiere aussetzt, ist vielen anscheinend nicht bekannt. Anders kann man es sich nicht erklären, dass es immer wieder vorkommt“, sagt Pleines.

Beim Anlegen neuer Kleingewässer achten die Mitarbeiter der Biologischen Station darauf, dass diese nicht direkt an Wegen, sondern eher etwas versteckt liegen. Trockenheit in den Sommern ist ein weiterer Feind der Larven. Trocknen Moore aus, die auch gerne von Libellen zur Eiablage genutzt werden, sterben die Larven. Generell ist ein starker Rückgang der Libellen seit 1998 zu verzeichnen. Die Population an sich hat sich halbiert. „Wir können dies so genau sagen, da es entsprechende Aufzeichnungen gibt“, sagt Pleines. Die Altdaten, die der Biologischen Station vorliegen, gehen bis ins Jahr 1900 zurück. Von 1960 bis 1998 gibt es genaue Artenlisten.

Libellen legen ihre Eier im Gewässer ab. Je nach Art brauchen die Larven ein bis drei Jahre zur Entwicklung. Die Pechlibelle mit ihrem schwarzen Körper und dem hellblauen Punkt entwickelt sich innerhalb eines Jahres. Heidelibellen brauchen drei Jahre. „Es gibt auch Libellen, die sieben Jahre benötigen. Dazu gehört die Quelljungfer, die, wie der Name es sagt, die Eier im Quellsumpf ablegt“, sagt Pleines. Die Larven häuten sich regelmäßig unter Wasser, bevor sie aus dem Wasser hervorkommen und an Pflanzen in Ufernähe schlüpfen. Dort bleiben die Larvenhäute zurück. Das Schlüpfen geschieht in den frühen Morgenstunden, zu einer Zeit also, in der noch nicht so viele Fressfeinde unterwegs sind. Die frisch geschlüpften Libellen benötigten ein bis zwei Stunden bis sie flugfähig sind, da die Flügel noch weich sind und aushärten müssen.

„Daher beginnt unsere Arbeit beim Monitoring früh. Wir zählen die zurückgelassenen Larvenhäute und die fliegenden Tiere. Libellenmännchen besetzen ein festes Revier am Gewässerrand“, sagt Pleines. Für das Zählen der Libellen ist ein schnelles Auge gefragt, denn es gilt nicht nur sie zu zählen, sondern auch ihre Art zu erkennen. In diesem Jahr steht wieder ein Monitoring an. Diesmal findet es in den Gebieten des Elmpter Waldes, im Lüsekamp und Boschbeektal in Niederkrüchten sowie den Heidemooren im Galgenvenn statt. Wer Libellen im heimischen Garten Gutes tun möchte, kann dies mit einem naturnahen Teich machen. Der sollte aber keine Fische enthalten, da diese die Larven auffressen.

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