Mehr als 30 Kinder noch ohne Kita-Platz

Nettetal : 33 Kinder warten noch auf Kita-Platz

Jeder werde bis Anfang Juni einen Platz bekommen, versichert Heiko Brodermann vom Jugendamt.

In Nettetal stehen aktuell 33 Kinder auf der Warteliste für einen Kita-Platz. Fünf von ihnen sind älter als drei Jahre, 28 jünger. Sorgen machen müssen sich deren Eltern aber nicht, meint Heiko Brodermann vom Nettetaler Jugendamt. Denn das Vergabeverfahren sei noch nicht abgeschlossen. „Die kriegen noch was“, sagt Brodermann. Bis Ende Mai/Anfang Juni würden alle versorgt sein.

Insgesamt hat es für das neue Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt, 519 Anfragen gegeben. Für 380 von ihnen habe das Jugendamt bereits im Januar Plätze vergeben können, berichtet Brodermann. Die Einrichtungen hätten entsprechende Briefe verschickt, die Eltern anschließend 14 Tage Zeit für die Vertragsunterzeichnung gehabt – eigentlich. Denn manchmal, berichtet Brodermann, ziehe sich das Verfahren auch in die Länge: „Viele Eltern melden sich zunächst nicht auf den Brief, denen telefonieren die Einrichtungen dann hinterher.“ Zwei bis drei Monate könne es sogar schon mal dauern, bis alles unter Dach und Fach sei.

Die Ü3-Betreuungsquote
liegt bei 97 Prozent

Weitere „20 wollten nicht“, sagt Brodermann. In diesen Fällen sei es meist so, dass die Eltern ihre Kinder doch länger selbst betreuen wollen, als gedacht, sie ihre Wunscheinrichtung nicht bekommen haben, weggezogen sind, die Situation nicht mit ihrer Arbeit zu vereinbaren sei – oder Familien inzwischen abgeschoben wurden. „Auch das kommt vor“, sagt Brodermann.

In ganz Nettetal gibt es insgesamt 1410 Plätze in Kindergärten sowie 115 in der Kindertagespflege. Im Ü3-Bereich liegt die Betreuungsquote bei 97 Prozent, „daran halten wir fest“, sagt Brodermann. Bei U3 plane man derzeit mit 37 Prozent, aber der Bedarf sei hoch: „Darum steigt die Quote nächstes Jahr auf 40 Prozent.“

Die 2018 neu eröffnete Kita Felderend in Breyell mit ihren 75 Plätzen habe bereits „immense Entlastung“ gebracht, berichtet Brodermann. Darauf hofft er auch, wenn zum 1. August 2020 die geplante neue Kita am Trappistenweg in Kaldenkirchen eröffnet. Angedacht sind vier Gruppen mit insgesamt etwa 20 Plätzen im U3- sowie rund 50 Plätzen im Ü3-Bereich.

In diesem Jahr habe das Nettetaler Jugendamt im Vergabeverfahren zwei neue Erfahrungen gemacht, berichtet Brodermann. Er spricht von einer hohen „Kampf- und Klagebereitschaft“ der Eltern aus Sorge darüber, keinen oder nicht den gewünschten Kita-Platz zu bekommen.

Nächstes Jahr gibt es Neuerung im Vergabeverfahren

So habe er mit einem Vater telefoniert, der nach Nettetal ziehen und seinen Sohn in einer Kita unterbringen will. „Wir haben ihm einen Platz angeboten, der aber nicht in seinem Wunschstadtteil war“, erinnert sich Brodermann. Trotzdem habe man nett miteinander telefoniert, „dann kam eine Untätigkeitsklage vom Verwaltungsgericht“, sagt Brodermann: „Obwohl wir noch im Vergabeverfahren waren. Da war ich ein bisschen überrascht.“

Zudem gebe es eine sprunghaft erhöhte Nachfrage im U3-Bereich für Kinder, deren Eltern in Nettetal nahe der Grenze wohnen und in den Niederlanden arbeiten. „Wir müssen da bestimmt 15 Kinder über Bedarf versorgen“, sagt Brodermann. Die Eltern stammten vor allem aus Osteuropa und bräuchten schnell eine Betreuung. Er vermute Auswirkungen des Brexits dahinter. Bislang hatte Großbritannien vom uneingeschränkten Zuzug osteuropäischer Arbeitsmigranten profitiert.

Im kommenden Jahr soll es im Vergabeverfahren für Eltern eine Neuerung geben. Sie sollen für die Anmeldung das Online-Portal nutzen können, das im November eingeführt wurde. Bislang tragen nur die Kitas dort ihren Platzbedarf ein.

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