Maut in der Grenzregion: „Ein Schritt zurück ins Mittelalter“

Maut in der Grenzregion: „Ein Schritt zurück ins Mittelalter“

Experten äußerten sich bei der CDU-Mitgliederversammlung zum Thema Maut in der Grenzregion.

Kaldenkirchen. Die Befürchtungen sind groß: „Passiert hier sowas, gehen wir zurück ins Mittelalter“, warnte Jos Teeuwen, bei der Stadt Venlo für Stadtentwicklung und Kontakte zu Deutschland zuständig, vor der Einführung einer Maut in Deutschland. Und er war nicht der einzige, der am Donnerstag in der Gaststätte „Zur Mühle“ vor einer negativen Entwicklung warnte.

Politiker sowie geladene Experten befassten sich bei der Mitgliederversammlung der Nettetaler CDU mit der Maut. „Wir arbeiten beiderseits der Grenze, heiraten über die Grenze hinweg, gehen im jeweiligen Nachbarland zur Schule“, stellte Teuwen fest; eine Maut würde das gefährden, was in der Provinz Limburg und am Niederrhein über die Grenzen hinweg an Verbundenheit gewachsen sei.

„Das wäre ein Schritt zurück, wenn Niederländer ausblieben, weil sie für die Benutzung unserer Straßen 100 Euro im Jahr bezahlen müssten“, mahnte Claudia Willers. Die Vorsitzende des Werberings Kaldenkirchen-Aktiv verwies auf eine Marktanalyse, nach der in der Grenzstadt die Niederländer 40 Prozent der Kunden im Einzelhandel ausmachten, „Tankstellen nicht mitgerechnet“.

Auf grenzüberschreitende gewachsene Strukturen in Handel und Gewerbe verwies Bernd Neffgen von der Industrie- und Handelskammer Krefeld (IHK). Erwartete Einnahmen durch die Maut von rund 600 Millionen Euro jährlich reichten bei Weitem nicht, die notwendige Infrastruktur der Straßen zu verbessern; von daher sie die Maut schon unsinnig, meinte der IHK-Experte für Europäische Raumordnung und Verkehrsstraßen. jbh

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