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Literaturtage: Komplimente von Autoren

Literaturtage: Komplimente von Autoren

Ob in großer Halle oder kleiner Scheune: Für die 15 Lesungen gibt es durch die Bank Lob.

Nettetal. Ein Kompliment gleich vorweg: „Ich komme gern hierhin, weil es so schön ist und weil Herr Schmitter so nett ist“, schmeichelte Elke Heidenreich zur Begrüßung. Die prominente Autorin war zum vierten Mal dabei, las zum Auftakt der neunten Nettetaler Literaturtage, die am Sonntagabend endeten. Ihr Lob bezog sich auf ein besonderes Merkmal der Literaturtage: Das engagierte Team um Büchereileiter Ulrich Schmitter machte Literatur zum Erlebnis.

Bemerkenswerte Autoren hautnah zu erleben, das machte einen Reiz der Literaturtage aus. Dabei gab’s Überraschungen. So erwies sich Erfolgsautor David Safier als pfiffiger Unterhaltungskünstler: Ohnehin lustig sein neues Buch „Happy Family“, nicht minder witzig seine Plaudereien zwischendurch über die eigene Familie. Zudem hatte Safier stets einen Scherz parat: „Ich signiere alles, auch Bücher von Stephen King.“

Unterhaltsam auch der Abend mit Eva Lohmann im Weyer Kastell — allerdings mit ernstem Hintergrund: Sie las nicht einmal eine Stunde aus ihrem autobiographischen Roman „Acht Wochen verrückt“ über den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Ihre Zuhörer, Frauen zumeist, löcherten sie danach mit Fragen. Zu Recht winkte Eva Lohmann immer dann ab, wenn’s nicht mehr um ihr Buch ging, sondern um ihr ganz persönliches Schicksal.

Junge Autoren wie eben Eva Lohmann und prominente wie Jan Weiler, dazu musikalische Literatur-Abende wie mit Nina Hoger und Ensemble Noisten — abwechslungsreich war der Reigen der Veranstaltungen. Und reizvoll die Mischung der Veranstaltungsorte: hier die große Werner-Jaeger-Halle mit den lustigen „Helden des Groschenromans“, da die kleine Kaldenkirchener Literatur-Scheune mit Stefan Moster. Durch die Bank gab es viel Lob vom Publikum — für Autoren und Veranstalter.

Dahinter steckte viel Arbeit, „auch die tägliche Betreuung der Autoren, sie abholen, wegbringen“, wie Ulrich Schmitter skizzierte. Mitunter war Improvisationskunst gefragt. Etwa wenn auf unwirtlichen Nettetaler Bahnhöfen die Züge verspätet waren oder gar nicht kamen. Oder wenn’s in der Nettetaler Gastronomie nach 22 Uhr auch für prominente Autoren kaum noch was zu essen gab . . . Umso mehr dankten die Künstler dem Literaturtage-Team — und verabschiedeten sich laut Schmitter „mit Komplimenten“.