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Kunstprojekt: Zwischen Himmel und Erde

Kunstprojekt: Zwischen Himmel und Erde

Neun Kreative zeigten ihre Werke in Nettetal, nachdem sie zuvor in Venlo zu Gast waren.

Nettetal. Das grenzüberschreitende Kunstprojekt „trefpunktkunst“ machte am Wochenende in Nettetal Station. Nachdem sich die Kreativen aus den Niederlanden und Deutschland zuvor in Venlo präsentiert hatten, war jetzt die Seenstadt der Ausstellungsort für neun Künstler.

Der Weg zu Christa Rosa Wolffs Kunst führt in den Grenzwald. Dort inspirieren sie Natur und Vergänglichkeit: Rostende Blechbüchsen-Bahnen dienen als Leinwand, in der Scheune hängen bemalte, aus dem Offsetdruck übrig gebliebene, Aluminiumteile. Das Gottfried Benn-Zitat „Leben ist Brückenschlagen über Ströme, die vergehen“ betitelt ein 4,80 mal zwei Meter großes Ölgemälde auf Holzgrund.

Als Gast ist Paul Hoerkens aus Niederkrüchten in Wolffs Atelier, zeigt sich vom Menschen inspiriert, sucht und findet diesen in der Natur. Mit Feuer, Messer und Kettensäge bearbeitet er Holz, das am Ende menschliche Züge trägt — Lebenslinien fließen durch (Holz-)Körper.

Die Plastiken von Keramik-Designerin Marile Heinen aus Kaldenkirchen zeigen üppige weibliche Akte, Paare oder kontemplative Momente in humaner Gestalt. Die Oberfläche gestaltet sie nach Vorbildern aus der Natur. So erstarren ihre Figuren zu Stein oder scheinen Rinde anstelle von Haut zu haben. Heinen sieht „den Ton als Partner“ und baut ihn massiv auf.

In Lobberich lädt Ursula Streich (74) zur Frankreichreise ein: Die französischen Alpen in Öl festgehalten, mit breitem Pinselstrich und satten Farben gemalt. Struktur hat bei ihr nicht nur die Kunst: „Ich arbeite konzentriert, schalte ab, bin im Tun drin“, sagt Streich.

„Widerständige Kunst“ kündigte Salvatore Minten an — und hält es. Großformatig arbeitet er beim „Reichstag 2011“, den er ins schwarze Raster setzt und giftgrün glühen lässt. Gebäude wurden durch Kühltürme „gehörnt“, die Kuppel wird zur roten Warnleuchte mit Atom-Warnzeichen.

Der Blick durchs schwarze Raster, welches das Bild in kleine Quadrate unterteilt, gleicht dem Blick aus dem oder in das Gefängnis. „Ins Gespräch kommen“ will Minten damit, sein Protest gegen Atomkraft und den halbherzigen Ausstieg formuliert er klar.

„Zwischen Himmel und Erde“ titelt Heinz Lanser aus Hinsbeck und schafft lyrische Malerei, bunt, oft übermalt und damit dem Wortsinn nach vielschichtig. „Ich setze Architektur, Landschaft oder Figuren abstrahiert um, chiffriere sie“, sagt Lanser. Kräftigen Farben setzt er massives Schwarz entgegen, das einteilt, abgrenzt oder die Richtung weist. Gedichtzeilen erscheinen in blasser Kreide auf glänzendem Acryl — seine Frau Gabriele hat Texte zum Katalog geschrieben.