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Kinder besuchen Friedhof Kaldenkirchen

Kinder besuchen Friedhof Kaldenkirchen

Um Gräber und Tod geht es beim Besuch von Kindern der DRK-Inkita auf dem Friedhof Kaldenkirchen. Anlass ist das Projekt „Abschied nehmen“.

Nettetal. Nur ein Buchfink zwitschert. Sonst ist es ruhig auf dem Friedhof in Kaldenkirchen. Selbst die Gruppe von 19 Kindern geht leise übern Weg. Sie sind gut vorbereitet auf das, was sie in Totenhalle oder an Urnengräbern erwartet: „Der Besuch auf dem Friedhof gehört zu unserem Projekt ‚Abschied nehmen’“, erklärt Dagmar Karwarth.

„Es geht um Trennungssituationen, die Kinder erleben können oder schon erlebt haben“, sagt die Leiterin der integrativen Kindertagesstätte (Inkita) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Beispiele seien Scheidung der Eltern, Umzug — oder eben der Tod eines lieben Mitmenschen. Mio gehört zu den Kindern, die schon mit dem Tod konfrontiert waren: „Mein Opa ist gestorben.“ Wo sein Großvater jetzt sei, fragt Dagmar Karwath. „Na, hier auf dem Friedhof“, antwortet der Fünfjährige nüchtern. Fügt dann nachdenklich hinzu: „Wenn ich an Opa denke, ist er bei mir.“

Alles rund ums Begräbnis erläutern den Kindern Kerstin und Hanno Helgers vom Bestattungshaus Hauser. „Der Sarg kommt so tief in die Erde, dass da gar keine Würmer hinkommen“, schildert der Bestatter den Fünf- und Sechsjährigen. „Ganz winzige Lebewesen machen sich dann ans Werk.“ Mit einfachen Worten erläutert Kerstin Helgers, wie Mikro-Organismen eine Leiche zersetzen. „Dann ist da nur noch ein Skelett“, ruft ein Junge. Ein anderer weiß, „die Seele ist längst im Himmel“. Auch die Vorstellung gläubiger Menschen vom Leben nach dem Tod kommt beim Projekt zur Sprache.

„Kinder gehen ganz unbefangen an das Thema heran“, hat Kerstin Helgers erfahren, „wir müssen unsere eigene Einstellung neu hinterfragen, um sie kleinen Kindern einfach erklären zu können.“

Dass auch Trauer nach dem Tod etwa eines Familienmitglieds dazugehört, erfahren die Jungen und Mädchen hautnah: Ein Kind führt sie zum Grab seines Geschwisterkindes. Still stehen alle dort, schauen auf den kleinen Engel und das Herz auf dem Grab, als scheinen sie die Traurigkeit des Kindes aus ihrer Mitte zu spüren. Dagmar Karwath liest leise vor, was auf dem beschrifteten Herz steht, Worte von Frieden und Lieben. Ein Mädchen drückt das Kuscheltier „Tränchen“ an sich. Eine Zeitlang ist kein Laut zu hören. Nur ein Buchfink zwitschert.