„Ketten der Liebe“ mit Tom Gerhardt eröffneten in Nettetal die Nettekultur

Lobberich : Tom Gerhardt findet Nettetaler „dufte“

Das Publikum gab ihm und dem Ensemble von „Ketten der Liebe“ das Kompliment zurück.

Ein Schauplatz hinter der Bühne wurde am Freitagabend in Nettetal zum Schauplatz mitten auf der Bühne: „Ketten der Liebe“ zeigt die letzten beiden Stunden vor dem Auftritt des Softrockers Andy Roth in einer etwas heruntergekommenen Künstlergarderobe. Bis zur letzten Minute ist es fraglich, ob der Auftritt überhaupt stattfindet. Denn: Ein „meet and greet“ mit dem Fan Matthias Bommes hebt von Minute zu Minute unausweichlich Roths ganze private und berufliche Welt aus den Fugen. „Du hast mein Leben zerstört“, sagt Roth nach zwei Stunden. „Aber nicht extra“, lautet Bommes’ Antwort.

Bommes wird gespielt von Tom Gerhardt. Er ist Andy Roths größter Fan, hat einen Fanclub gegründet, besucht alle seine Konzerte und erlebt endlich sein heiß ersehntes Zusammentreffen mit dem Künstler. Schauspieler Dustin Semmelrogge gibt den leicht schmuddeligen, exaltierten und schnell aufbrausenden Möchtegern-Rockstar.

Bommes ist eine Figur, die Tom Gerhardt sich auf den Leib geschrieben hat. Mit Franz Krause hat er das Stück „Ketten in Liebe“ geschrieben und auf die Bühne gebracht. Regie führt René Heinersdorff.

Perfekt spielt Gerhardt die Nervensäge, die jeder hasst und gleichzeitig in den Arm nehmen möchte. Er ist die stärkste Figur in den „Ketten der Liebe“. Immer wieder bringt er die Zuschauer zum Lachen, während er durch die Welt des B-Stars stolpert und mit seiner naiven Art die Doppelmoral, die Oberflächlichkeit und das Verlogene des Lebens eines Stars offenlegt. Gerhardt bedient damit alle Klischees, tut dies aber auf unterhaltsame Weise. 

Bommes sorgt mit dem Handyfoto einer „prickeligen“ Situation dafür, dass Roths Geliebte, seine Managerin Vera (Fabienne Hesse) ihn sitzen lässt. Roth hatte eine Affäre mit der noch minderjährigen Jessy (Swantje Riechers). Diese glaubt an die Liebe zu Andy, ist allerdings noch mit ihrem Freund zusammen, einem jähzornigen Sanitäte (Armin Riahi). Handschellen, ein verschluckter Schlüssel und die nervige Bild-Journalistin (Claudia van Veen) machen das Chaos auf der Bühne perfekt.

Während Tom Gerhardt seine Figur mit überzeugendem Leben erfüllt, verleiht Dustin Semmelrogge seinem Rockstar eine Dosis zu viel an Exaltiertheit. Claudia van Veen als Bild-Journalistin erscheint merkwürdig steif. Dagegen bringt die junge Swantje Riechers als Jessy frischen Wind auf die Bühne. Die 1995 geborene Schauspielerin gibt so überzeugend das kleine, unschuldige, junge Naivchen, dass es eine Freude ist, ihr Spiel zu verfolgen.

Witzig übrigens ist das Programmheft, das als eine Art Bravo-Heft mit Rätseln und Starschnitt daherkommt.

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