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In Nettetal will man die Hospizfrage kreisweit angehen

Soziale Themen in Nettetal : Willich und Nettetal wollen Hospiz

Der Bedarf an stationären Hospizplätzen wird nicht in Frage gestellt. Der CDU-Antrag in Nettetal hat aber gezeigt, dass die Lösung nicht in Alleingängen funktioniert, sondern mit Krankenkassen und dem Kreis abzustimmen ist.

(hb) Es war eine Initiative, für die sich die Frauenunion stark gemacht hat: ein stationäres Hospiz in Nettetal. Unterstützt wurde die Idee auch vom Städtischen Krankenhaus, an dem es eine Palliativstation gibt. Die CDU-Fraktion stellte Ende vergangenen Jahres im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Inklusion einen entsprechenden Antrag. Der Ausschuss beschloss, die Verwaltung zu beauftragen, die Möglichkeit eines stationären Hospizes zu prüfen. Viel Hoffnung machte man sich trotzdem nicht. Den Bedarf muss der Kreis und nicht die Stadt feststellen, und außerdem braucht man nicht nur eine entsprechende Immobilie und einen Träger, der es betreibt. Beides sind hohe Hürden.

Doch Nettetal steht mit diesen Überlegungen nicht alleine da. Um einen ähnlichen Prüfauftrag geht es am Mittwoch, 2. Februar, im Sozialausschuss der Stadt Willich. Auch dort ist es die CDU-Fraktion, die am 2. Dezember einen entsprechenden Antrag an die politischen Gremien stellte. Die ambulante Versorgung in Willich werde durch die Hospizinitiative Kreis Viersen sowie anderer palliativer Pflegedienste gut abgedeckt. Die Hospizinitiative Kreis Viersen sehe auch keinen weiteren Bedarf an ambulanter Hospizpflege, wichtiger sei die Installierung einer stationären Einrichtung. Im Kreis Viersen gibt es aktuell nur ein stationäres Hospiz in Dülken sowie eine Palliativstation im Krankenhaus Nettetal.

Stationäre Hospize unterliegen den Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG). Die Umsetzung dieses Gesetzes liegt in der Verantwortung des Kreises. Der laufende Betrieb der Einrichtung würde wie die anderen Pflegeeinrichtungen auch vom Kreis Viersen geprüft. Die Willicher CDU hält es deshalb für sinnvoll und hilfreich, wenn der Kreis die Entscheidung zur Errichtung eines stationären Hospizes mittrage oder zumindest in den Entscheidungsprozess eingebunden werde. Das ist auch der Stand in Nettetal, wo man die Hospizfrage nach Viersen weiterreicht. Wenn jetzt gleich zwei Städte mit der Frage auftreten, erhöht das vielleicht die Dringlichkeit des Anliegens. Ob das jetzt in Konkurrenz besser gelingt, bleibt offen.

Kostenfrage ist wohl für
beide Städte kein Problem

Der Kreis Viersen befasst sich im Rahmen der Pflegebedarfsplanung mit diesem Thema, da es im Kreisgebiet einige Anfragen gegeben hat. Vor Ort geht die Politik davon aus, dass derzeit bereits auf Kreisebene der Bedarf geprüft werde. Dabei würden die Daten der Pflegeplanung herangezogen. Die Ergebnisse liegen aber noch nicht vor.

Der Bedarf an Hospizplätzen ist das eine, die Kostenfrage eine andere. Die wird aber von der Politik in beiden Städten nicht als Problem angesehen. Die Finanzierung von stationären Hospizen stellt sich aktuell so dar: Die Pflegesätze, die rund 95 Prozent der Kosten umfassen, werden von den Kranken- und Pflegeversicherungen getragen, sofern die Errichtung eines Hospizes vom Verband der Krankenkassen befürwortet wird. Die restlichen rund fünf Prozent wären aus eigenen Mitteln, etwa Spenden, zu finanzieren. Der Bedarf einer weiteren stationären Hospizeinrichtung hängt also in erster Linie von der Entscheidung des Verbandes der Krankenversicherungen ab. Anscheinend ist man in Willich skeptisch, denn schon jetzt wird eine eigene Finanzierung ins Spiel gebracht. Sollte die Bedarfsberechnung der Krankenkassen nicht zu einem positiven Urteil führen, wäre die Möglichkeit der alternativen oder ergänzenden Finanzierung durch die öffentliche Hand zu prüfen. So weit ist man in Nettetal erst einmal nicht gegangen. Bürgermeister Christian Küsters (Grüne) sagt, die Stadt sei mit dem Kreis im Austausch. Genau wie bei der Frage eines Frauenhauses in Nettetal funktionieren solche Projekte nur zusammen mit dem Kreis.