In Nettetal-Lobberich soll die Orientierung für Behinderte besser werden

Nettetal: Blinde sollen die Wege bald besser finden

In Lobberichs Innenstadt sollen fehlerhafte Blindenleitsysteme erneuert werden.

Für blinde und sehbehinderte Menschen soll die Orientierung in der Innenstadt von Lobberich einfacher werden: „Die Hilfen entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand“, nannte Sozialamtsleiterin Ina Prümen-Schmitz als Grund. Deshalb hat der Auschuss für Soziale Angelegenheiten jetzt einstimmig „Nachbesserungen“ in der Fußgängerzone und im Einkaufszentrum Ludbach-Passage beschlossen.

Das aber kann dauern, zumal sich die Ludbach-Passage in Privatbesitz befindet. So soll zunächst das Netzwerk für behinderte Menschen darüber befinden, wie man für Verbesserungen sorgen kann.

Den Stein ins Rollen gebracht hatten die Fraktionen von SPD und WIN mit Anträgen: WIN verlangte, in der Innenstadt müsse „nachgebessert werden“, weil zum Beispiel nicht überall das Blindenleitsystem im vorgeschriebenen Abstand von 60 Zentimetern von den Hauswänden eingebaut sei. Und die SPD beantragte, dass in der Ludbach-Passage der „unhaltbare Zustand beseitigt wird“, weil dort Schilder und Ständer mit Waren auf den Blindenleitsteinen aufgestellt seien.

„Es ist für die Verwaltung nicht möglich, dort tätig zu werden“, stellte Prümen-Schmitz klar: Die Ludbach-Passage sei kein öffentlicher Raum, zuständig sei der Betreiber. Mit dem Problem habe sich bereits das Netzwerk für behinderte Menschen befasst und einen Vorschlag erarbeitet: Man wolle in einem Brief an den Betreiber auf die Probleme hinweisen und um Verbesserungen bitten. Tatsächlich hatte das Netzwerk in seiner jüngsten Sitzung dargelegt, dass es keine juristische Handhabe gebe, auf Nachbesserungen in der Ludbach-Passage zu bestehen. Deshalb wolle man den „sanften Weg“ wählen und hoffe auf Einsicht des Betreibers, der zu ten-Brinke-Gruppe gehört.

In diesem Zusammenhang wurde auch weitere Kritik am Zustand der Passage geäußert, nicht nur Blinde hätten es dort schwer: Der ungesicherte Treppenaufgang sei gefährlich für Rollstuhlfahrer, weil nicht abgesichert. Und die Behinderten-Parkplätze seien häufig besetzt von Autos ohne entsprechende Kennzeichnung.„Barrierefreiheit sieht anders aus“, bemängelte ein Teilnehmer des Netzwerk-Treffens. Auch der Rollsteig sei bei feuchtem Wetter nach wie vor eine Gefahrenquelle. Dort war vor drei Jahren eine Kaldenkirchenerin ausgerutscht und schwer verletzt worden: „Die Frau ist immer noch bei Nette-Vital in der Reha-Therapie“, berichtete ein Teilnehmer. Nun setzte man bei Barrierefreiheit im Einkaufszentrum, vor allem für Blinde und Sehbehinderte, auf den Vorstoß, sich schriftlich an den Betreiber zu wenden.

Auf breite Unterstützung stieß die Initiative des Netzwerkes. Darin sind Menschen mit und ohne Behinderung ebenso vertreten wie Mitarbeiter der Verwaltung. So beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, „die Intervention des Netzwerkes dem Eigentümer gegenüber zu unterstützen“. Das allein reichte Andreas Zorn von der WIN-Fraktion aber nicht: „Auch die Politik ist hier gefordert!“ Man müsse davon ausgehen, „dass viele Menschen nicht informiert sind über Blindenleitsysteme“, so Zorn. So würden Leitsteine vermutlich auch aus Unkenntnis von Händlern zugestellt, da sei Aufklärung vonnöten: „Geschäftsleute müssten ja ein Interesse daran haben, dass alle Menschen, eben auch Blinde und Sehbehinderte, bei ihnen einkaufen können“, meinte Zorn.

Um diese Blindenleitsysteme zumindest in der Lobbericher Fußgängerzone zu verbessern oder zu erneuern, werde „das Netzwerk tätig werden“, kündigte Prümen-Schmitz an. Die Netzwerk-Arbeitsgruppe Barrierefreiheit wolle zusammen mit dem Tiefbau vor Ort über Lösungen beraten: „Entsprechende Maßnahmen werden im Betriebsausschuss des Nettebetriebs beschlossen.“

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