Gastronomie in Nettetal Seenstadt ganz ohne Lokale am Wasser

Nettetal · Die Stadt Nettetal kann auf eine lebendige Gastronomie an den vielen Seen verweisen – zumindest in der Vergangenheit. Aktuell ist nur an einem See ein veranstaltungsorientierter Betrieb möglich.

Freizeitparadies und Strandhotel: Von einem Bauzaun umgeben ist das Fischerheim am Poelvenn See. In früherer Zeit war die Gastwirtschaft sehr beliebt.

Freizeitparadies und Strandhotel: Von einem Bauzaun umgeben ist das Fischerheim am Poelvenn See. In früherer Zeit war die Gastwirtschaft sehr beliebt.

Foto: Uli Rentzsch

Mit berechtigtem Stolz nennt sich Nettetal auch die Seenstadt. Schon ein kurzer Blick auf die Karte zeigt: Seen gibt es reichlich, der Ortskundige ergänzt: die pure Idylle. Wie schön wäre es, wenn es vornehmlich in den wärmeren Jahreszeiten möglich wäre, in einem Seerestaurant den Blick in die Natur genießen zu können. Im Poelvenn See, im Krickenbecker See, im De Wittsee, im Nettebruch und natürlich auch im Quellensee war in früherer Zeit nicht nur das Baden erlaubt, dort konnte man in den entsprechenden Restaurationen auch die kulinarische Heimat gestalten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Fast.

In der ehemaligen Gaststätte Ludwigs am Nettebruch, bekannt als Restaurant, Ausflugslokal mit Kahnverleih und Badebetrieb, hatten in den frühen 1970er Jahren sogar noch Tanzkurse für die Jugend stattgefunden. Doch noch in diesem Jahrzehnt wurde der Betrieb eingestellt. Nach dem Abriss findet der Wanderer an dieser Stelle heute auf Bänken Ruhe - mit Blick auf den See.

Mit dem Quellensee in Breyell verbindet man das Karnevalszelt der Wölese, den rollenden Zirkus und die Familie Girkes. Ab 2012 fand hier ein Restaurant mit chinesischen Spezialitäten ein Zuhause, 2019 folgte dann ein Café und Restaurant mit eher internationaler Ausrichtung.

Eine lange Geschichte hat das Fischerheim am Poelvennsee. 1928 wurde hier eine erste Verkaufshütte platziert, später eine Badeanstalt mit großen Liegewiesen und einem Kahnverleih installiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Erweiterung zu einer noch größeren Restauration mit Hotelbetrieb. 2011 wurden das Restaurant mit Hotelbetrieb sowie Badeanstalt und Kahnverleih geschlossen. Noch heute liest man vor Ort auf einem Schild: Neueröffnung 3. Oktober 2012. Gemeint war das Hotel, Restaurant und Café - vergessene Vergangenheit. Heute umhüllt das Fischerheim eine Art Bauzaun, der Zutritt ist versperrt, der Blick auf den See sowieso. „Ein sehr sensibles Gebiet“, sagt Nettetals Stadtsprecher Jan van der Velden. Er macht darauf aufmerksam, dass gerade wegen der Bestimmungen zum Schutz von Natur, Landschaft und Gewässer die Idylle so atemberaubend erscheint, die Hürden für die Gastronomie aber genau wegen dieser Bestimmungen so hoch sind. Ob man unter den heutigen gesetzlichen Gegebenheiten an diesen Stellen noch einmal so bauen könnte? Eine eher rhetorische Frage.

Natürlich habe man den touristischen Wert der Stadt im Blick, betont van der Velden. Gespräche mit unterschiedlicher Tiefe - so nennt es der Stadtsprecher, finden zwar statt, doch dürfe die Stadt keine Maklertätigkeiten übernehmen, sondern lediglich Netzwerke nutzen. So könne man beispielsweise über die jeweils örtlichen Nutzungsperspektiven sprechen - mit allen Beteiligten. Über allem stehe jedoch das Eigentum. Und da seien der Stadt die Hände gebunden. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) weist zudem darauf hin, dass eine vitale Struktur einer Gastronomie zur Belebung eines touristischen Gebiets gehöre. „Aber wir akquirieren nicht, das ist Aufgabe zum Beispiel einer Wirtschaftsförderung der Kommune“, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig.

Für Hochzeiten, Sommerfest oder Tagungen buchbar ist das Strandbad Krickenbeck. Ein Hinweis an der Eingangstür informiert, dass der klassische Tagesbetrieb im Restaurant und auf der Terrasse auf Weiteres ruhe. Geschäftsleiter Sascha Peltzer stellt unumwunden klar: „Der hohe Arbeitsaufwand lohnt sich nicht. Außerdem fehlt es an Fachpersonal.“ Der Veranstaltungsbereich erhalte das Haus am Krickenbecker See. „Wir können inzwischen standesamtliche Trauungen auf unserer Terrasse anbieten“, sagt Peltzer. Aussicht auf einen wirklichen Restaurantbetrieb hat nur das Strandlokal am de Wittsee. Ein neuer Pächter sei gefunden, meldete das Immobilienbüro Hoersch. Allerdings werden wegen der Kürze der Zeit weder die Veranstaltung „Genuss am See“ noch das Open-Air-Sommerkino in diesem Jahr stattfinden.