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Hertie-Gebäude ist bald Geschichte

Hertie-Gebäude ist bald Geschichte

Das Innere des ehemaligen Kaufhauses ist entkernt. Jetzt rücken die Bagger an und beginnen mit dem Abbruch.

Nettetal. Auf dem Parkdeck der Ludbachpassage in Lobberich weht eine steife Brise. Der kalte Westwind fegt in Böen über die Betonfläche, die zur Hälfte von Pkw belegt ist. Ganz hinten durch, wo nie ein Auto steht und vorne, wo die großzügig angelegten Behindertenparkplätze mal wieder fast ausnahmslos von Unbefugten blockiert werden, stehen Passanten und werfen einen Blick auf das frühere Hertie-Kaufhaus.

Hertie-Gebäude ist bald Geschichte
Foto: Busch

Von der Rückseite her arbeitet sich ein Bagger auf stählernen Laufketten langsam vorwärts. Das Fahrzeug steht schräg, der Fahrer ist damit beschäftigt, ein Bündel verbogener Moniereisen zu bearbeiten.

Das Viersener Unternehmen Prangenberg und Zaum (P+Z), spezialisiert auf Abbruch, Rückbau, Recycling und Flächensanierung, setzt schweren Maschinen gegen den hässlichen Betonklotz an der Ecke von-Bocholtz-/Freiheitstraße ein.

Seit einigen Jahren liegt das Kaufhaus, das einst Karstadt hieß und später Hertie wurde, leer. Die Stadt hat große Mühe gehabt, den Schandfleck zu entfernen. Der Projektentwickler Ten Brinke, inzwischen in Nettetal an verschiedenen Stellen aktiv (Ludbachpassage, ehemalige Reserveflächen Niedieck) warf den Rettungsanker. Nach dem Abbruch des alten Kaufhauses wird hier ein Flachbau errichtet, in dem ein Lebensmittel-Discounter einziehen soll.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. P+Z betreibt fachlichen Rückbau auf dem Gelände, alle Stoffe werden getrennt und, wenn es geht, auf dem Gelände schon bearbeitet. Der Baggerfahrer auf dem Schutthaufen drückt, quetscht und hebt die Moniereisen wie einen Haufen Heu.

Sorgsam werden die unterschiedlichen Fraktionen aus Beton, Metall oder Kunststoff voneinander getrennt und so Wertstoffe geschaffen, die nicht für sehr viel Geld entsorgt werden müssen.

Oben, auf dem einstigen Parkdeck, trägt ein Arbeiter mit einem kleinen Bagger die ursprüngliche Deckschicht aus Asphalt ab. Ganz hinten steht ein Mann in einem weißen Ganzkörperanzug vor dem Eingang des Parkdecks, den Kunden viele hunderttausend Male passiert haben, um übers Treppenhaus nach unten ins Warenhaus oder oben ins Restaurant zu gehen.

Immer wieder kommen Müßiggänger aufs Deck der Ludbachpassage und schauen bei den Arbeiten zu. Einige fotografieren mit ihren Smartphones, andere schauen eine ganze Weile bei den Arbeiten zu.

An den Straßen umgibt ein Bauzaun das Gebäude. Die Sträucher an der Freiheitstraße sind zum undurchdringlichen Gestrüpp herangewachsen. An der Frontseite zur von-Bocholtz-Straße hin sind die Schaufenster zum Teil zerschlagen. Sie haben erstaunlich lange den Leerstand überstanden, ohne dass sie zertrümmert wurden.

Dort, wo einst Textilien für die ganze Familie, Hausrat, Schuhe, Schreibwaren, Bücher, CD und DVD verkauft wurden, herrscht nach dem Entkernen gähnende Leere. Aber die Schilder mit den skurril anmutenden Aufschriften sind alle noch vorhanden: „Tür bitte freihalten“, steht da beispielsweise. Sogar eine 0800er-Nummer, über der steht „Zu vermieten oder zu verkaufen“ ist noch vorhanden.

Eines aber geht nun endgültig an dieser Stelle nicht mehr: „Auf geht’s, Nettetal! Jetzt die besten Preise sichern!“ An diesem Ort geht die Hatz auf den Tiefstpreis aber vermutlich demnächst dann doch wieder weiter.