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„Haus, Frauen, Sex“: Monolog über eine gescheiterte Ehe

„Haus, Frauen, Sex“: Monolog über eine gescheiterte Ehe

Martin Lindow bringt in „Haus, Frauen, Sex“ die Zuschauer in der Werner-Jaeger-Halle zum Nachdenken.

Lobberich. Monolog-Literatur kann anstrengend sein. „Haus, Frauen, Sex“ von Margit Schreiner ist so ein Roman. Am Samstagabend brachte ihn Martin Lindow auf die Bühne der Werner-Jaeger-Halle. Lindow, bekannt als Tom Wells aus der Vorabend-Krimiserie „Fahnder“ (1985 bis 2001), schaffte es, die Zuschauer der fast ausverkauften Vorstellung zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen. Was er nicht schaffte: Als verlassener Ehemann Mitleid zu erwecken.

Margit Schreiner, selbst zweimal geschieden, war offenbar mit viel Selbstvertrauen an ihren Roman herangegangen. Schließlich galt es, einem Mann in einer Ausnahmesituation die passenden Worte in den Mund zu legen. Martin Lindow verkörperte rein optisch den Durchschnittstypen. Umgeben von Umzugskartons — lediglich der Fernseher und der Herd in diesem Provisorium funktionierten — schien es ihm zunächst die Sprache verschlagen zu haben.

Erst Phil Collins „In the air tonight“ löste seine Zunge, und zwar nachhaltig: Er sinnierte über die soeben gescheiterte Ehe. Eine Stunde lang. Eigentlich ein bedauernswerter Mann. Einer, der es immer gut gemeint hat und der jetzt vor einem Scherbenhaufen steht — Frau weg, Sohn weg, arbeitslos.

Was das Stück prägte: Der Erzähler sollte sich selbst demontieren. Ein eigenes Scheitern räumte er nicht ein, von Selbstkritik keine Spur. Vor allem das weibliche Publikum sollte ihn bald auslachen. „Das geschieht Dir recht“, werden sie gedacht haben. Besonders die Rechtfertigungen in Bezug auf mangelhafte hausfrauliche Leistungen in Form von Wasserflecken auf dem Herd kosteten dem Verlassenen Sympathiepunkte.

Nach der Pause sprach er oft verallgemeinernd: „Ihr“. Ein Trick, die Aufmerksamkeit zu steigern, denn jetzt fühlten sich die Frauen im Publikum persönlich angesprochen. Eine Stunde lang, in der ihn seine Johanna-Marie nicht unterbrechen konnte. Ob er sie geliebt hatte, wurde immer fraglicher. Mal gedankenschwer, anklagend, erklärend, später vor allem vom Alkohol enthemmt, gab er seine Statements ab. Er kippte den Wodka auf die heiße Herdplatte, dass es nur so zischte.

Margit Schreiner hat ihren „Helden“ zunehmend zur Witzfigur degenerieren lassen und das so krass, dass selbst die Männer im Publikum erkannt haben müssten: Dieser Mann ist selber schuld daran, dass ihn seine Frau verlassen hat. Respekt hatte sich allerdings Martin Lindow verdient, der die ganze Bandbreite seiner Gefühle in seinem Schauspiel zum Ausdruck brachte.