Harald Post ist seit 20 Jahren Ortsvorsteher in Nettetal-Lobberich

Lobberich: Der Kümmerer von Lobberich

Harald Post ist seit 20 Jahren Ortsvorsteher in dem Stadtteil. Er sieht sich als Bindeglied zwischen Bürgern und Verwaltung.

Sein Tatendrang scheint ungebrochen: „Wäre ich jünger, würde ich für den Bundestag kandidieren“, sagt Harald Post und schmunzelt. Weil der CDU-Politiker aber bereits 80 Jahre alt ist, beschränkt er sich auf das, was ihm ein Herzensanliegen ist – die Lokalpolitik. Und zwar in erster Linie als Ortsvorsteher von Lobberich. „Diese Aufgabe ist Politik im besten Sinne, sich nämlich einzusetzen für das Gemeinwesen, für die Bürger“, sagt er.

Am liebsten ist Post in seinem Stadtteil Lobberich nicht an markanten Orten wie am Wasserturm oder am Nettebruch – sondern im Rathaus. Der Zweckbau sei „zwar kein besonders schönes Gebäude, aber hier ist die Schaltzentrale der Stadt und damit auch von Lobberich“, meint Post, der als 1. stellvertretender Bürgermeister einen Schlüssel für die „Schaltzentrale“ hat.

Der 80-Jährige schätzt
den kurzen Dienstweg

Was aber hat er als Ortsvorsteher mit dem Rathaus zu tun? „Nun, der Ortsvorsteher ist das Bindeglied zwischen Bürger und Verwaltung“, definiert der CDU-Politiker. Was in der Praxis wiederum bedeutet: „Bürger wenden sich an mich, wenn sie ein Anliegen, ein Problem haben, und ich versuche das dann mit der Verwaltung zu regeln“, erklärt der 80-Jährige. So gesehen, sei er im positiven Sinne ein „Strippenzieher“.

Die Stadtverwaltung an sich sei „ein schwerfälliger Dampfer“, doch jeder Mitarbeiter sei engagiert. „Da lässt sich manches auf dem kleinen Dienstweg regeln“, sagt Post: „Oft genügt ein Anruf von mir, und man geht der Sache nach, ohne dass die Gremien beraten müssen.“ Beispiele seien Beschwerden von Anwohnern, „weil ihre Straße oft zugeparkt ist und sie selbst keinen Parkplatz finden“. Oder wenn es einer Nachbarschaft stinke, weil „in der Nähe möglicherweise zu viel Gülle auf die Felder gebracht worden“ sei.

Harald Post sucht auch
selbst nach Lösungen

Als Bürger Post von dunklen Ecken im Ingenhovenpark berichteten, hätten diese sogenannten Angsträume auf seine Initiative hin Beleuchtung erhalten. Häufig, erzählt Post, werde er auch von sich aus aktiv: „Ich bekomme ja mit, was in Lobberich läuft“, sagt er. So sei ihm beispielsweise aufgefallen, dass viele ältere Menschen sich mit Automaten schwer tun, etwa bei der Bank. „Dann versuche ich, mit Verantwortlichen nach Lösungen zu suchen, oder ich organisiere eine Veranstaltung zum Thema“, sagt Post.

Wenn der CDU-Politiker redet, und er redet gern und lang, dreht er beide Hände kreisend vor der Brust, als wolle er seinen eigenen Redefluss vorantreiben. So ernst das Thema sein mag, er lächelt immer wieder, streift sich mitunter über das kurzgeschorene Haar. Ist ihm was besonders wichtig, reckt sich der ohnehin große Senior und spricht lauter: „Als Ortsvorsteher sorge ich mich um Tradition und Integration.“ Ob Neubürger in Lobberich-Ost oder Migranten – sie einzubinden ins Stadtteil-Leben, „damit sie nicht unter sich bleiben“, das erfordere viel Mühe. „Früher gelang so etwas einfacher mithilfe der Vereine, Chöre, Bruderschaften. Doch sie üben leider nicht mehr so eine große Anziehungskraft aus“, sagt Post.

Sein ehrenamtliches Engagement als Ortsvorsteher übt Post bereits seit 20 Jahren aus. Im nächsten Jahr endet mit Ablauf der Wahlperiode seine Ära: „Dann werde ich den Schlüssel fürs Rathaus zurückgeben.“

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