Habsburgs Strauss Orkest aus den Niederlanden in der Werner-Jaeger-Halle in Nettetal-Lobberich

Neujahrskonzert in Lobberich: Fröhliche Stimmung beim Neujahrskonzert

Das Habsburgs Strauss Orkest stellt in Nettetal sein Profi-Niveau unter Beweis.

Die Liebeserklärung an die Weltstadt der Operette macht den Anfang, ist ja auch Programm: Mit dem spritzigen Marsch „Wien bleibt Wien“ von Johann Schrammel eröffnet das Habsburgs Strauss Orkest aus den Niederlanden das Neujahrskonzert des Kulturkreises der Wirtschaft (KdW) in Nettetal. Von da an ist die Stimmung unter den etwa 500 Besuchern in der ausverkauften Werner-Jaeger-Halle gelöst, fröhlich, ja bisweilen gar aufgekratzt.

Dass es dazu kommen würde, war nicht nur die insgeheim gehegte Hoffnung von Karl Fleuth, der als Sprecher des KdW-Vorstands Publikum, Orchester, Solisten und drei Tanzpaare willkommen heißt. „Vor allem danke ich den vielen Helfern, die in der vergangenen Nacht alle Vorkehrungen für den Auftritt des Orchesters mit seinem Programm ,Neujahr in Wien‘ bewältigt haben“, hebt Fleuth, Gründungsmitglied des Kulturkreises, hervor.

Das mittelgroße Tourneeorchester braucht nicht lange, um sein Profi-Niveau unter Beweis zu stellen. Freilich fällt auf, dass Frauen an den Pulten der „Habsburger“ klar in der Minderheit sind, das ist in vielen anderen Sinfonieorchestern heutzutage anders herum. Dass die Mitglieder selbst viel Spaß beim Musizieren haben, merkt man den Gesichtern an. Richtig ausgelassen agiert zum Beispiel der Schlagzeuger, am liebsten lässt er beim Champagner-Galopp des Dänen Hans Christian Lumbye die Korken aus der nachgebauten Holzkonstruktion fliegen: Plopp!

Ganz wesentlich zur ausgelassenen Stimmung trägt der Mann bei, der dem Orchester die Spielanweisungen vermittelt: Mit weichen, die erwünschten Klangkonturen vorzeichnenden Wellenbewegungen der Arme und Hände sorgt Jeroen Weierink für das gewisse Flair, das man mit Wiener Caféhaus-Ambiente, Debütantinnen-Ball, Fiakerkutschfahrten und Schloss Schönbrunn verbindet. Dabei kann und will der legere Entertainer und witzige Conférencier gar nicht verhindern, dass drei Gesangssolisten ihm mitunter die Schau stehlen.

Viele Besucher
singen sogar mit

Da ist der Tenor Arnold Bezuyen, der zwar seine besten Sängerjahre hinter sich hat, der aber noch über hinreichend stimmfarblichen Charme verfügt, um „die Herzen der stolzesten Frau‘n“ zu brechen, um an dieser Stelle einen 80 Jahre alten Schlager in Erinnerung zu bringen. Stolz klingt auch Weierink, wenn er erwähnt, dass Bezuyen an der MET in New York sowie bei den Bayreuther Festspielen gesungen hat. Im Duett mit dem kernigen Bariton Sef Thissen interpretiert die Sopranistin Wilma Bierens famos den Evergreen „Lippen schweigen, `s flüstern Geigen“ aus der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehár.

Aus der ukrainischen Millionenstadt Charkiv mitgekommen sind drei Tänzerpaare. Sie erweitern den Hörgenuss im Kaiserwalzer und beim gekürzt wiedergegebenen Konzertwalzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss um eine bezaubernd anmutige optische Komponente. Dass zwei der Damen ihre männlichen Tanzpartner überragen, versetzt sie in die Lage, diese bei choreografischem Bedarf mal eben in den tiefgebeugten Arm zu werfen. Alles jedoch geschieht mit höchster Eleganz. Großartig!

Das gefällt dem Publikum über die Maßen, der Applaus will am Ende gar nicht abebben, und es hagelt Zugaben. Und zuvor haben viele fröhlich den Refrain des Vilja-Liedes aus der „Lustigen Witwe“ mitgesungen.

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