Gesamtschule: Sechs statt vier Klassen

Gesamtschule: Sechs statt vier Klassen

Die Mehrheit von CDU und FDP beschließt im Stadtrat eine Aufstockung inklusive zweitem Standort.

Nettetal. Enttäuscht verließen Gesamtschüler und Eltern am Dienstagabend das Lobbericher Rathaus. Sie hatten erlebt, wie CDU und FDP sich durchsetzten, die Gesamtschule um zwei Klassenzüge zu erweitern und einen zweiten Standort zu eröffnen.

Während Bürgermeister Christian Wagner (CDU) das „würdevolle Verfahren“ lobte, klagte nicht nur Guido Gahlings (Grüne) über „Schmerzen“ angesichts der Entscheidung.

Schüler und Eltern verfolgten eine Debatte, die oft mehr einem politischem Ränkespiel glich. Wagner ließ angesichts der vielen Zuschauer „die wesentlichen Argumente noch einmal austauschen“, die im Schulausschuss zum Beschlussvorschlag geführt hatten: Schließung der Hauptschule Lobberich und Erweiterung der Gesamtschule statt Einrichtung einer Sekundarschule.

Doch der Austausch der bekannten Argumente machte deutlich: Die Entscheidungen waren in den Fraktionen längst gefallen. „Wie groß müssen Scheuklappen und Ohrstöpsel sein, dass man den Bürgerwillen nicht hört?“, griff Hans Overhage (ABK) Verwaltung, CDU und FDP an.

Wagner konterte, man folge dem Willen der Eltern, deren Kinder nicht an der Gesamtschule angenommen werden könnten. Überhaupt kommentierte Wagner jede Stellungnahme aus den Fraktionen, was nicht nur Renate Dyck (SPD) in Rage brachte: Wagner halte „sich nicht an die Vorgaben“, indem er „selbst Position“ beziehe.

SPD, Grüne, WIN und ABK machten sich die Argumente der Gesamtschulsprecher zu Eigen, man solle nicht „eine sehr gut funktionierende Schule ausein-anderreißen“. Vergeblich.

Genau wie der Versuch von Hajo Siemes (WIN), eine geheime Abstimmung womöglich andere Mehrheiten zu erreichen. Abweichler gab’s keine: Für die Erweiterung der Gesamtschule stimmten 26 Ratsmitglieder, was den Anteilen von CDU (21) und FDP (5) entspricht, Gegenstimmen 17.

In der Sitzungspause nach der Abstimmung verließen die Gesamtschüler frustriert den Saal. Sichtlich zufrieden hingegen der Bürgermeister Wagner: „Wir setzen auf die Integrationskraft der Gesamtschule.“

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