Lobberich: Gedenkgottesdienst für Tote des V 1-Unglücks

Lobberich : Gedenkgottesdienst für Tote des V 1-Unglücks

Eine fehlgeleitete, deutsche Rakete tötete im Jahr 1945 Dutzende Menschen in Lobberich.

. Am 19. Februar 1945 schlug kurz nach 12 Uhr mittags eine fehlgeleitete deutsche V 1-Rakete in die untere Hochstraße ein. Sie verwandelte drei Häuser in einen Trümmerhaufen, viele andere wurden schwer beschädigt; in den Häusern und der Umgebung fanden zahlreiche Menschen den Tod. 25 sind namentlich bekannt; eine vermutlich weit größere Zahl Wehrmachtsangehöriger, die sich im Hotel Köster aufhielten, wurde aus Gründen militärischer Geheimhaltung weder zahlenmäßig noch namentlich bekannt. Weit über 100 Personen wurden teils schwer verletzt, unzählige traumatisiert.

Kein Gebäude in Nettetal zeigt bis heute die Spuren des Kriegs so deutlich wie die Lobbericher Alte Kirche. Zusammen mit der evangelischen und katholischen Gemeinde lädt der Verkehrs- und Verschönerungsverein zu einem Gedenkgottesdienst am Mittwoch, 19. Februar, 17 Uhr, in die Kirche ein.

Ein Küchentisch schützte Gertrud Terstappen vor den Trümmern

Die V 1-Rakete, die am 19. Februar in Lobberich einschlug, soll mindestens 45 Menschen getötet haben, die nach Augenzeugenberichten in der alten Kirche aufgebahrt wurden. Gertrud Terstappen (geborene Thissen), damals acht Jahre, gehörte mit ihrer Mutter zu den Überlebenden. Beide standen während der Mittagszeit in einem Anbau des Hauses Hochstraße 7 in der Küche, als sich nach der „ohrenbetäubenden Detonation“ plötzlich das Dach hob. Das Mädchen wurde unter einen Tisch geschleudert und blieb so vor herabstürzenden Mauerbrocken geschützt. Die Mutter lief in Todesangst ins Freie und wurde dort von einem umstürzenden Baum leicht verletzt.

Die meisten Opfer gab es im Hotel Köster nebenan. Im Hotel hielten sich an diesem Morgen rund 40 Soldaten des Volksturms auf. Nach Berichten sollen sie bei der Explosion Feldbetten abgeladen haben, die mit einem Pferdegespann angekommen waren. Menschen, Tiere und Geräte seien zerrissen und umhergeschleudert worden bis in die Kronen der Pappeln am Ingenhovenpark.

Die Nationalsozialisten testeten 1942 erstmals die Flugbombe V 1. Der Marschflugkörper war rund 2,2 Kilogramm schwer und bestand fast zur Hälfte aus Sprengstoff. 600 Kilometer schnell, sollte die „Vergeltungswaffe“, so die Bezeichnung von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, eine Erwiderung auf die Luftangriffe der Alliierten sein. Johannes Leicht vom Deutschen Historischen Museum in Berlin zufolge blieben die militärischen Erfolge der Flugbombe gering: Nur 25 Prozent erreichten überhaupt ihr Ziel.