1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Nettetal

Fischotter-Projekt der Biologischen Station Hinsbecker Seen startet

Hinsbeck : Naturschützer bereiten Otter eine Heimat

Umfangreiche Projekt sollen dem Marder die Rückkehr an Nette und Schwalm erleichtern.

Lange her: Seit den 1960-Jahren ist der Fischotter in Nordrhein-Westfalen ausgestorben, und die letzte Sichtung dieser Tierart an den Krickenbecker Seen liegt noch länger zurück, 1939 nämlich. Neuerdings jedoch mehren sich die Anzeichen, dass der Fischotter wieder heimisch werden könnte im Kreis Viersen, in der Umgebung jedenfalls wurde er schon gesichtet. Die Biologische Station will der Marderart, die auf Gewässer als Lebensraum angewiesen ist, die Rückkehr erleichtern und künftige Bestände sichern. Umsetzen soll das Projekt die neue Mitarbeiterin Jennifer Matefka.

„Der Fischotter kehrt zurück – Wir bereiten ihm den Weg“ heißt das zunächst für ein Jahr angelegte Projekt, das der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit über 70 000 Euro fördert. Das Vorhaben ist aufwändig: „Wir werden zunächst alle Querbauwerke an den Gewässer­ufern untersuchen“, kündigt Matefka an. Soll heißen: Alle Brücken etwa an Niers, Nette und Schwalm werden darauf überprüft, ob Fischotter darunter auf ihren nächtlichen Streifzügen am Rand der Gewässer entlanglaufen können. Wenn nicht, drohen ihnen tödliche Gefahren, weil sie auf Straßen ausweichen müssten.

Die neue Otter-Beauftragte Jennifer Matefka in Hinsbeck. Foto: Jörg Knappe. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Ein trauriges Beispiel gibt’s aus dem Nachbarkreis Kleve zu vermelden: Zu den ersten Nachweisen, dass sich Fischotter dort wieder ansiedeln, gehört ein Totfund. „Bei Weeze wurde ein Fischotter überfahren“, berichtet Ansgar Reichmann, Chef der Biologischen Station. Um solchen Unfällen vorbeugen zu können, werde seine Kollegin Matefka nicht nur alle Brückenbauten „an rund 1000 Kilometern Gewässerufern im Kreis Viersen“ kartieren und analysieren, sondern auch Vorschläge erarbeiten, wie den Tieren ein gefahrloses Weiterkommen ermöglicht werden könne, etwa durch anzulegende Pfade unter Brücken oder Steine im Uferbereich.

Seit 2016 gibt es Hinweise, dass der Otter im Rheinland lebt

Dass der Fischotter an Nette oder Schwalm bald wieder heimisch werde, davon sind die Wissenschaftler überzeugt: „Er steht quasi vor der Tür, wird von den Nachbarkreisen Kleve, Heinsberg und dem niederländischen Unterlauf der Schwalm auch zu uns kommen, die Reviere ausweiten und sich neue suchen“, so Reichmann. Zunächst habe es im Münsterland Nachweise gegeben, dass Fischotter wieder in NRW leben, seit 2016 auch im Rheinland.

Dass die Biologen den streng geschützten, weil bedrohten Eurasischen Fischotter (Lutra lutra) mit Spannung zurückerwarten, hat einen besonderen Grund: „Er war ja damals nicht nur durch Bejagung wegen seines dichten Fells ausgestorben, sondern auch durch die Gewässerverschmutzung“, erläutert Ansgar Reichmann. Kehre er zurück, sei das auch eine Bestätigung, dass die vielen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Renaturierung von Teilen der Kulturlandschaft schlußendlich erfolgreich seien.

Die bräunliche, einschließlich Schwanz über einen Meter lange Marderart hat an Gewässern große Reviere, die sie mit Kot und Duftstoffen markiert. Zunächst freilich gilt es, dem Fischotter die Besiedlung im Kreis zu erleichtern, Biologin Matefka wird nicht nur Maßnahmen an Gewässerquerungen ausarbeiten, sondern sich auch mit Gewässerverbänden und den für Straßen zuständigen Baulastträgern kurzschließen. „Fischotter beobachten zu können, erwartet die Biologin allerdings nicht: „Man bekommt das nachtaktive Tier ja kaum zu Gesicht; wenn wir bald das Vorkommen durch Trittspuren und Funde von Kot feststellen könnten, wäre ich schon glücklich.“