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Eva Lapido las in Nettetal aus ihrem neuen Roman "Räuber"

Kultur in Nettetal : Die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe

Der Verein Nettetaler Literaturtage lud zu einer Lesung von Eva Lapido aus ihrem neuen Roman „Räuber“ in die „Alte Fabrik“ in Kaldenkirchen. Das Buch handelt von den sozialen Veränderungen durch die Gentrifizierung in Berlin.

(hb) Eine gelungene Dreifach-Premiere gelang dem Verein Nettetaler Literaturtage mit der Lesung von Eva Lapido. Der neu gewählte erste Vorsitzende Gerd Wagner, der auf Büchereileiter Ulrich Schmitter folgte, konnte seine erste Veranstaltung präsentieren. Gleichzeitig rückte er die Alte Fabrik an der Venloer Straße in Kaldenkirchen als zukünftigen Veranstaltungsort für Kultur in den Blick. Und drittens holte der Verein eine exklusive Lesung nach Nettetal. Da durch Corona viele Termine abgesagt wurden, bleibt die Lesung in Nettetal bisher die einzige.

Auf die Idee zum Roman
kam Lapido in London

Eva Lapido war eigens aus London, wo sie mit ihrer Familie lebt, an den Niederrhein gekommen. Die Journalistin, die als Auslandskorrespondentin für die „Welt“ arbeitet, hat mit „Räuber“ ihren zweiten Roman geschrieben. Nach „Wende“ von 2015 über die Angst der Deutschen vor der Atomenergie beschreibt sie in „Räuber“ die Folgen der Gentrifizierung durch eine neoliberale Immobilienpolitik. Die 47-jährige Autorin verpackt dieses Kernthema aber in eine unterhaltsame Liebesgeschichte. Der Bauarbeiter Olli Leber, dessen Mutter ihre Sozialwohnung verlieren soll, und die zehn Jahre ältere Journalistin, die zum Thema recherchiert, werden nicht nur ein Liebespaar, sondern planen als eine moderne Art Bonnie und Clyde, Rache an einem ehemaligen Senator zu nehmen, der mit seiner Politik den Stein erst ins Rollen brachte. Durch den Verkauf vieler städtischer Wohnungen sanierte er den Haushalt, auf Kosten vieler Menschen, die den billigen Wohnraum brauchten.

Auf die Idee zum Roman kam Lapido in London. In der angelsächsischen Welt begann das neoliberale Umkrempeln der Gesellschaft sehr viel früher. Doch die Autorin wollte keine Sozialreportage schreiben. Sie fragte sich, wann wird Literatur spannend? So verpackte sie die Abstiegsangst der Mittelschicht, der es immer schwerer fällt, ihr Leben wie bisher aufrecht zu erhalten, in die Liebes- und Ganovengeschichte eines ungleichen Paares. Wie sie ausgeht, verriet sie bei ihrer Lesung aber nicht.