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Dorfmuseum: Die Welt der Puppen im Wohnzimmer

Dorfmuseum: Die Welt der Puppen im Wohnzimmer

Auf eine Zeitreise begaben sich die Besucher der Ausstellung. Erinnerungenan vergangene Zeiten wurden dabei wach.

Hinsbeck. Für viele wurde der Besuch der Ausstellung im Hinsbecker Dorfmuseum zur Zeitreise: Das historische Wohnzimmer war zur Puppenstube geworden und weckte die Fantasie der Besucher. So schrieb eine Familie aus Wismar ins Gästebuch: „Wir bedanken uns für die freundliche Führung und die Erläuterungen. Für unsere Enkelkinder und für uns war es eine interessante Zeitreise mit Opa und Oma, die uns allen viel zu sehen gab.“

So mag es früher an Sonntagen in der guten Stube zugegangen sein: Opa saß im Schaukelstuhl und spielte „Schifferklavier“, daneben die zehnjährige Enkeltochter im Kinderstuhl mit einem Kinder-Akkordeon und summte „Warum ist es am Rhein so schön“. Vor ihr die kleine (Puppen-)Schwester. Am Klavier saß die größere Schwester und in der Wiege lag das jüngste Kind. „Damals lebten viele Kinder zusammen in einem Raum“, erinnerte sich Dieter Snyders vom Museums-Team an seine Kindheit.

Insbesondere ältere Frauen erzählten von ihrer ersten Puppe, für die dann Tanten und Großmutter Kleider genäht haben — meist aus Stoffresten. Schürzen wurden aus alten Klöppeldeckchen, Kleidchen aus zerschlissenen Bettlaken genäht.

Einige Dutzend Puppen, zwischen zehn Zentimetern und einem Meter groß, zeigten Dieter Snyders, Hans Goertz und Ursula Drießen vom Museums-Team. Auf eine 75 Jahre alte Käthe Kruse Puppe war Ursula Drießen besonders stolz. Die bekam sie von einer Cousine ihrer Mutter geschenkt. „Ich versprach ihr, diese Puppe gut aufzubewahren — und das habe ich immer getan.“ Ein über 100 Jahre alter Kinderstuhl, in dem schon ihr Großvater und alle ihre Geschwister saßen, diente als Puppenstühlchen und wurde immer wieder repariert.

„Die alten Puppenkleider sind viel schöner als die heutigen“, fiel der 14-jährigen Jessica auf. „Meistens wurde diese von den Müttern und Großmüttern geschneidert“, erläuterte Hans Goertz. Bei den Männern stieß auch eine Palmfaser-Zupfmaschine (Baujahr 1955) auf reges Interesse. Sie stand auf dem Sattlertisch, den die Familie Schmitz gestiftet hatte. Und darauf lag ein Berichtsheft des gelernten Polsterers Hans Giesen (geboren 1940).