Die Wanderausstellung Landtag NRW in der Gesamtschule Nettetal

Nettetal : Wanderausstellung soll Schüler für Politik begeistern

Die Ausstellung „Landtag NRW“ ist in der Gesamtschule Nettetal eröffnet worden.

Für zwei Wochen steht in der Mensa der Gesamtschule Nettetal ein begehbares Modell des Düsseldorfer Landtags. Wer ins Innere des kreisförmigen Modells geht, findet auf Fotos ein Abbild des Plenarsaales. Erklärt wird, wo der Platz der Regierung ist, wo die Fraktionen sitzen. Und wer will, kann mal das Gefühl ausprobieren, ans Rednerpult zu treten. Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtages (Grüne), nutzte die Eröffnung der Ausstellung, um die Schüler direkt in den Landtag einzuladen. Der Sachbereich Schülerprogramme und Jugendparlament beim Landtagspräsidenten hat diese kleine didaktische Schau erarbeitet, um Jugendliche für die Arbeit des Landesparlamentes und für Politik allgemein zu interessieren. Nettetal ist die erste Station.

Die Eröffnung der Ausstellung war vom Kurs Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe elf vorbereitet worden. Moderation (Lina Meiners-Timmermann und Ole Heinen), vorbereitete Fragen und ein Protest-Brief zeugten von einem beeindruckenden Engagement. Die 16-Jährigen interessierten sich besonders für die Haltung zum Wahlrecht mit 16. Keymis fand die Diskussion in Nettetal spannend, fügte aber später hinzu, anderswo werde man auch schon mal nach der Freigabe von Cannabis gefragt.

In der Mensa der Gesamtschule saßen rund 80 Jugendliche

In Nettetal waren die Landtagsabgeordneten Ina Spanier-Oppermann (SPD) und Dietmar Brockes (FDP) zur Eröffnung der Landtags-Ausstellung gekommen. Markus Optendrenk (CDU) war durch eine Fraktionstagung verhindert. Bürgermeister Christian Wagner (CDU) und aus dem Stadtrat SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Dyck sowie Hans-Willy Troost und Heinz-Dieter Lehmann von der FDP-Fraktion kamen, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

Der Landtagsvizepräsident machte deutlich, dass die politische Arbeit in den kommunalen Gremien ehrenamtlich sei. Und auch Bürgermeister Wagner betonte: „Demokratie lebt von Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren.“

In der Mensa der Gesamtschule saßen rund 80 Jugendliche, die da waren, nicht weil sie ihr Lehrer Merlin Praetor dazu animiert hatte, sondern die ein echtes Interesse an Politik zeigten und sich damit nicht ernst genommen fühlten. In einem Text an die Politiker sprachen die Schülerinnen Malin Ließem, Paula Lintjens und Jessica Voss von ihrem Eindruck, dass Jugendliche auf Abstand gehalten würden. Zweidrittel der Politiker erschienen ihnen als „old School“, die Jugendliche nicht verstünden. Bewegungen wie Fridays for Future und stiller Protest wie vegetarisches und veganes Essen würden häufig belächelt. Die Jugendlichen wollen ihre Zukunft mitbestimmen. Bei der Kommunalwahl kann man bereits ab 16 Jahren abstimmen. Oliver Keymis appellierte an die Schüler, nicht nur zu fordern, sondern ihre Rechte auch zu nutzen.

Nachdem Renate Dyck mehr politische Bildung für Senioren forderte, weil dort rechts gewählt werde, und Schüler Leo wissen wollte, ob man das Wahlrecht bei Alten beschränken solle, mahnte Bürgermeister Wagner an, nicht die Generationen gegeneinander auszuspielen. Nach dem Grundgesetz sei jeder Mensch gleich viel wert. hb