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Das Haus Abelen schließt: Ausverkauf nach 150 Jahren

Das Haus Abelen schließt: Ausverkauf nach 150 Jahren

Wilma und Manfred Fuchs haben die Gaststätte in Ritzbruch geschlossen. Am Dienstag hat der Ausverkauf des mobilen Inventars begonnen, der noch bis Donnerstag dauert.

Breyell. Nach 150 Jahren ist Schluss: Haus Abelen in Ritzbruch schließt. Am 31. Dezember läuft nach 26 Jahren der Pachtvertrag von Manfred (70) und Wilma (78) Fuchs aus. Am Dienstag begann der dreitägige Ausverkauf des mobilen Inventars.

Wilma Fuchs, die am 5. Dezember 1985 die Gaststätte gepachtet hatte, hielt Wort. Johannes Abelen, Viehhändler, Wirt und Hausbesitzer, hatte sie an seinem 90. Geburtstag gebeten, mindestens bis zu seinem 100. die Gaststätte zu führen. Am 20. September wäre Johannes Abelen 100 Jahre alt geworden. „Ich hätte gerne noch bis zu meinem 80. Geburtstag gemacht. Aber nach einem Bandscheibenvorfall drängte mich die Familie, Schluss zu machen.“

Ein Hauch von Wehmut war spürbar. In der Gaststube, wo sich 150 Jahre lang Gäste wohl fühlten, wo Viehhändler und Transporteure ihre Geschäfte abgeschlossen und über Generationen Gesellschaften gefeiert haben, türmten sich Schüsseln, Töpfe, Pfannen, Teller, Tischwäsche, Gläser und Flaschen.

Mehr als ein Dutzend Interessenten kamen am Dinestagvormittag. „Man hat irgendwie ein schlechtes Gewissen“, meinte eine Frau aus Lobberich. Sie suchte einen großen Topf, der in den Backofen passt. Zudem nahm sie noch zwei Vasen mit.

Nicht jeden Wunsch konnten die Eheleute Fuchs beim Ausverkauf erfüllen. Johannes Sieben, der um 11 Uhr zu den ersten Kunden gehörte, wollte die Bilder mit Breyeller Motiven kaufen. Aber die gehören Familie Abelen. Genau wie das Kruzifix, das seit 150 Jahren über der Eingangstür hängt.

Auch Wirte gehörten zu den Kunden. Bitburger Gläser (0,4 Liter) gingen für 2,50 Euro das Stück weg. Christoph Esser (Kindter Eck) kaufte drei kleine Kugeln fürs Kinder-Kegeln. Mehr als 100 Flaschen Spirituosen, darunter Cognac, Slibowitz und Weinbrand, standen ebenfalls zum Verkauf — jede Flasche für zwei Euro, egal ob halb oder viertel voll.

„Alles muss weg, wir können es nicht mit in unsere Wohnung nehmen“, sagte Manfred Fuchs. Seine Frau Wilma, die 26 Jahre in der Küche stand, war dennoch entsetzt, als Tochter Renate Glocke die kleine Zwiebelpfanne verkaufte: „Das vergesse ich Dir nie. Mein Lieblingsstück.“ Dann lachte Wilma wieder.

Während der vergangenen 26 Jahre strahlte die Wirtin stets Ruhe und gute Laune aus. Sie konnte aber auch ernst werden. Wenn ein Gast zu viel getrunken hatte, nahm sie ihm den Autoschlüssel weg.

Doch das beeindruckte nicht jeden: Ein Gast holte sich zu Hause den Zweitschlüssel und fuhr dann alkoholisiert mit dem Wagen heim. Diesem Mann versprach Wilma Fuchs: „Beim nächsten Mal rufe ich die Polizei.“ Fortan ließ der Gast sein Auto stehen.